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Urlaubsanspruch & Resturlaub: Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen sollten!

Anastasia Johlen am 21.02.2019
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Urlaubsanspruch & Resturlaub: Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen sollten!
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Inhalt:
  1. Mindesturlaub: Der gesetzliche Urlaubsanspruch
    1. Gesetzlicher Urlaubsanspruch im Überblick
    2. Teilzeit oder Vollzeit: Unterschied beim Urlaubsanspruch?
  2. Warum gibt es den Anspruch auf bezahlten Urlaub?
  3. Wie berechnen Sie den Urlaubsanspruch richtig?
    1. Rechenschemata für Urlaubsanspruch 
  4. Resturlaub: Was müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten?
    1.  
    2. Fakten zum Resturlaub:
  5. Resturlaub nach einer Kündigung
    1. Gerichtsurteil 2019: Arbeitgeber müssen auf Einhaltung der Urlaubstage achten
    2. Resturlaub: Welche Folgen hat das Urteil für Arbeitgeber?

Der Anspruch auf Erholung von der Arbeit besteht für jeden Arbeitnehmer. Wer freut sich nicht auf ein paar wohlverdiente Tage oder den langersehnten Jahresurlaub? Dennoch kommt es vor, dass am Jahresende einige Beschäftigte noch Urlaub übrig haben. Diese übrigen Erholungstage werden als Resturlaub bezeichnet. Was passiert mit den Urlaubstagen? Wer muss die nicht genommenen Tage für Erholung im Blick behalten? Erfahren Sie hier, was Arbeitgeber und Arbeitnehmer rund um die Themen Urlaubsanspruch und Resturlaub wissen sollten.

Mindesturlaub: Der gesetzliche Urlaubsanspruch

In Deutschland besteht für Arbeitnehmer ein generelles Recht auf Urlaub. Wie viele Urlaubstage Sie als Arbeitnehmer im Jahr letztendlich haben, ist von Ihren Arbeitstagen pro Woche abhängig. Jeder Angestellte hat einen Mindestanspruch an bezahltem Erholungsurlaub. Geregelt wird der Urlaubsanspruch als Arbeitnehmer im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG).

Ein gesetzlicher Urlaubsanspruch gilt für

  • Angestellte,
  • Arbeiter,
  • arbeitnehmerähnliche Personenbereich,
  • und Auszubildende.

Gesetzlicher Urlaubsanspruch im Überblick

  • Bei einer Arbeitswoche von sechs Werktagen besteht ein Anspruch von mindestens 24 Urlaubstagen.
  • Pro Arbeitsmonat besteht bei einer 6-Tage-Woche der Anspruch auf 2,5 Urlaubstage.
  • In den ersten sechs Monaten der Anstellung besteht nur teilweise Urlaubsanspruch.
  • Nach sechs Monaten in einem Betrieb (Probezeit) besteht der volle Urlaubsanspruch.

In Bezug auf den Urlaubsanspruch existieren einige Sonderregelungen, so zum Beispiel für Jungendliche unter 18 Jahren und für behinderte Menschen. Der Anspruch dieser Personengruppen ist zum Einen im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArschG) und zum Anderen im Sozialgesetzbuch IX geregelt.

Teilzeit oder Vollzeit: Unterschied beim Urlaubsanspruch?

Es gilt deshalb zu beachten, dass sich der Urlaubsanspruch nur auf die Arbeitstage und nicht auf die Arbeitsstunden bezieht. So hat etwa ein Teilzeitbeschäftigter, mit einer Arbeitswoche von 5 Tagen, denselben Anspruch auf Mindesturlaub, wie ein Arbeitnehmer in Vollzeit. Anders sieht das aus, wenn eine unregelmäßige Teilzeitarbeit ausgeübt wird. 

Bei unregelmäßiger Arbeitszeit sieht der Urlaubsanspruch schon anders aus: Arbeitet etwa ein Teilzeitarbeitnehmer nicht jede Woche mit gleich vielen Arbeitstagen, ist eine andere Berechnung für den Mindesturlaub notwendig. 

Warum gibt es den Anspruch auf bezahlten Urlaub?

Damit Sie sich beim klassischen Job nicht nur am Wochenende von der Arbeit erholen können, besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Urlaub. Ein stressiger Arbeitstag, körperliche Anstrengung und manchmal auch sehr lange Tage: Das alles gehört zum Berufsleben dazu. Und genauso der Anspruch auf Mindesturlaub.

Der Urlaub richtet sich nach den Arbeitstagen eines Arbeitnehmers und dient der Erholung. Dadurch wird der Erhalt von Gesundheit und Arbeitsleistung gewährleistet, 

Die gesetzlichen Mindestanforderungen für den bezahlten Erholungsurlaub eines Arbeitnehmers orientieren sich an den tatsächlichen Arbeitstagen in der Woche.

Wie berechnen Sie den Urlaubsanspruch richtig?

Vollzeit, Teilzeit oder eine geringfügige Beschäftigung: In Deutschland gibt es einige Arbeitsverhältnisse. Aber wirkt sich das Beschäftigungsverhältnis auf Ihren Urlaubsanspruch aus? 

Jein - Eigentlich hat die Beschäftigungsform keinen Einfluss auf den gesetzlichen Urlaubsanspruch, doch indirekt wirkt sich die maximale Arbeitszeit im Monat schon auf den Urlaubsanspruch aus. 

Rechenschemata für Urlaubsanspruch 

(vereinbarte Urlaubstage : 6) x Wochenarbeitstage = Urlaubsanspruch pro Jahr

Beispiel:

Sie haben im Vertrag 24 Urlaubstage vereinbart und gehen 5 Tage, also Montag bis Freitag, arbeiten. Die Arbeitsstunden pro Tag sind bei dem gesetzlichen Urlaubsanspruch nicht relevant.

Rechnung: (24 : 6) x 5= 20 Mindesturlaubstage

Resturlaub: Was müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten?

Manchmal holt uns das Jahr schneller ein, als gedacht. Schon wieder ist das Jahr fast um und Sie haben noch eine Menge Urlaubstage zur Verfügung? Oder aufgrund von der betrieblichen Situation konnte Ihnen noch kein Urlaub gewährt werden. Was jetzt? 

  • In der Regel verfallen restliche Urlaubstage automatisch, wenn der gesamte Urlaub nicht bis zum 31. Dezember des Jahres genommen wurde.

Keine Panik: Unter dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen dürfen Sie die restlichen Urlaubstage ins nächste Jahr übertragen. Besprechen Sie diesen Ausnahmefall bitte vorher mit Ihrem Arbeitgeber. Den Resturlaub müssen Sie bis zum 31. März des neuen Jahres genommen haben.

§ Absatz 3 BUrlG

 

“Der Urlaub muß im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen. Im Fall der Übertragung muß der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahrs gewährt und genommen werden.”

 

Fakten zum Resturlaub:

  • Als Resturlaub werden alle Urlaubstage bezeichnet, die im aktuellen Jahr am Ende noch übrig sind. 
  • Resturlaub kann in den ersten drei Monaten des neuen Jahres genommen werden
  • Beginnen Sie ein Beschäftigungsverhältnis mitten im Jahr, gilt die Regelung bis zum 31. März nicht.
  • Resturlaub verfällt nicht für Langzeiterkrankte, auch wenn der Arbeitsausfall über die ersten drei Monate reicht.
  • Ohne Urlaubsantrag verfällt der Urlaub in der Regel

Resturlaub nach einer Kündigung

Nicht selten sorgt der nicht beantragte Urlaub nach einer Kündigung für Komplikationen. Je nach Einzelfall können nach einer Kündigung noch einige Urlaubstage übrig bleiben. Es spielt bei der Kündigung keine Rolle, wer das Arbeitsverhältnis beendet hat, sondern vielmehr wann. 

Es ist wichtig zu beachten, dass Sie bei dem Resturlaub generell nur einen Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub haben.

Grundsätzlich haben Sie bei Eigenkündigung bis zum 30. Juni des Kalenderjahres einen Anspruch auf die restlichen Urlaubstage. Haben Sie noch keinen Urlaub im ersten Halbjahr genommen, steht es ihnen zu den restlichen Erholungsurlaub zu nehmen oder sich auszahlen zu lassen. Die restlichen Urlaubstage für das Kalenderjahr nehmen Sie zum neuen Arbeitgeber mit. 

Gerichtsurteil 2019: Arbeitgeber müssen auf Einhaltung der Urlaubstage achten

Ein Gerichtsurteil entschied am 19.02.19, dass Arbeitgeber ihre Angestellten „klar und rechtzeitig“ über nicht genommenen Urlaub informieren müssen. Das Bundesarbeitsgericht nimmt mit dieser Entscheidung, Arbeitgeber stärker in die Pflicht. Chefs müssen Ihre Angestellten davor warnen, dass der Resturlaub verfällt, wenn dieser nicht beantragt wird. 

Unklar bleibt noch, ab wann diese Aufforderung des Arbeitgebers als rechtzeitig gilt. In Zukunft wird dieser Aspekt sicherlich noch genauer festgelegt. 

Resturlaub: Welche Folgen hat das Urteil für Arbeitgeber?

Für Arbeitgeber bedeutet die Entscheidung des Gerichts in jeden Fall mehr Aufwand. Sicherlich, einige Arbeitgeber informierten ihre Mitarbeiter bereits über die Anzahl der Urlaubstage. 

Eine bekannte Möglichkeit ist es, den Mitarbeiter über die Lohnabrechnung die restlichen Erholungstage mitzuteilen. Das Ganze ist ein wirklich kluger Schachzug, denn immerhin erhalten die Beschäftigten jeden Monat die Abrechnung. 

Unklar ist noch, ob eine weitere schriftliche Erinnerung verpflichtend ist: So wäre ein schriftliches Schreiben in der Mitte des Jahres denkbar.