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Streitkultur - Wir müssen wieder lernen mehr zu diskutieren

Streitkultur - Wir müssen wieder lernen mehr zu diskutieren
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Sarah Kleemeyer am 24.05.2016

„Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten“. Mit diesem, im Internet allgegenwärtigen Spruch, trifft der unbekannte Verfasser den Nagel auf den Kopf. Es wird in unserer Gesellschaft nämlich einfach viel zu viel geschrien und viel zu wenig vernünftig diskutiert. Dabei ist es doch gerade der gesittete Austausch von Meinungen, der sowohl Arbeitsprojekte optimieren, als auch den Grundstein für eine glückliche Beziehung legen kann. Doch wie streitet man überhaupt richtig?

Der Mensch verbringt einen Großteil seiner Zeit am Arbeitsplatz oder in einer Bildungseinrichtung. Klar, dass man sich da möglichst wohl fühlen möchte. Doch sobald eine Gruppenarbeit ansteht, kann die Harmonie manchmal gehörig aus den Fugen geraten. Dass alle Aufgaben zügig verteilt und ohne Diskussionen angenommen werden, kommt nur in wenigen Fällen vor. Schade? Nein, im Gegenteil: Zum Glück! Denn nur, wenn ein Team aus möglichst vielen Individualisten mit möglichst unterschiedlichen Meinungen besteht, kann am Ende das bestmögliche Ergebnis erzielt werden. Diskussionen sind nämlich der Schlüssel zum Erfolg. Trotzdem sollten dabei stets einige Spielregeln eingehalten werden, damit die positive „Streitkultur“ nicht in einen handfesten „Streit“ ausartet.

Streitkultur bedeutet, richtig mit Meinungsverschiedenheiten umzugehen

Wenn ein Unternehmen so fortschrittlich ist, seinen Angestellten zu erlauben ihre eigenen Kritikpunkte vorzutragen, so sollte man dies schätzen und nicht missbrauchen. Im Klartext heißt das: Es geht bei einer Diskussion niemals darum jemand anderen persönlich anzugreifen!
Sinn und Zweck ist es, eine bestehende Grundidee auszubauen und zu verbessern. Man sollte also stets sachlich bleiben. Läuft eine Debatte nämlich erst einmal aus dem Ruder, leidet nicht nur die kollegiale Atmosphäre, sondern auch das Endprodukt darunter.
Doch wie geht man vor, um sich „richtig“ zu streiten? Generell sollte man sich bei jeder vorgebrachten Meinung zuallererst die Person wegdenken, die sie vorgetragen hat. Das vermeidet personenbezogeneVorurteile. Stattdessen gilt es, sich selbst die folgenden Fragen zu stellen:

  • Welcher Ansatz war besonders gut?
  • Wo sind Dinge außer Acht gelassen worden?
  • Gibt es vielleicht eine einfachere, zeitsparendere oder kostengünstigere Alternative?

Erst sobald man diese Fragen für sich selbst beantwortet hat, sollte man sich in die Diskussion einschalten. So wird gewährleistet, dass keine Zeit für irrelevante Fragen oder unnötige Nachdenkpausen vergeudet wird.

Es geht nicht darum, die Diskussion zu gewinnen

Mit dem alleinigen Vortragen der eigenen Kritik ist es jedoch noch lange nicht getan. Auch Ihre Vorschläge werden nämlich sowohl Befürworter, als auch Gegner haben.
Machen Sie sich also bewusst, dass die Kritik Ihrer Teampartner genauso wenig persönlich gemeint ist, wie Ihre eigene. Und vor allem: Es geht in einer Streitkultur niemals darum zu „gewinnen“. Auch wenn das Projekt am Ende nicht genauso umgesetzt wird, wie Sie das für Richtig halten, ist eine trotzige Reaktion unangebracht. Das Ziel ist und bleibt von Anfang an, das bestmögliche Ergebnis für das Team zu erzielen. Und manchmal muss man hierfür letzten Endes einfach mal das eigene Ego hinten anstellen und akzeptieren, dass die Idee eines Anderen in diesem Falle eben doch ein bisschen besser war.

Streiten ist in jeder Beziehung gut

In erster Linie wird der Begriff Streitkultur zwar mit dem Arbeitsplatz assoziiert, die Idee dahinter lässt sich jedoch auch auf alle anderen Lebensbereiche anwenden. Sei es die Ehe, die Nachbarschaft oder das Ehrenamt: Streit aus dem Weg zu gehen, um nirgendwo anzuecken, schadet im Endeffekt nur. Der Frust verfliegt nämlich nicht, nur weil wir ihn unterdrücken. Er staut sich auf. Und irgendwann platzt dann auch dem ruhigsten Zeitgenossen der Kragen. Es kommt zu Geschrei, Türgeknalle, Weggelaufe. Warum also nicht direkt ruhig und sachlich anmerken, was einen stört? Solange es sich nur um Dinge handelt, die sich noch nicht hochgeschaukelt haben und Sie niemanden persönlich angreifen, wird Ihnen dafür auch niemand den Kopf abreißen. Im Gegenteil: Sie ersparen sich selbst viel zukünftigen Frust und verhindern, dass die gesittete Diskussion in ein großes Geschrei ausartet. Und damit schlägt man doch zwei Fliegen mit einer Klappe, oder?