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Pendlerpauschale: Erhöhung der Entfernungspauschale in 2022

Anastasia Johlen am 25.03.2022
ca. 1309 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 45 Sekunden
Pendlerpauschale: Erhöhung der Entfernungspauschale in 2022
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Inhalt:
  1. Entfernungspauschale: Was ist die Pendlerpauschale?
    1. Fahrtkosten rückerstatten: Pendlerpauschale und Kilometerpauschale
      1. Kilometerpauschale nur bei Dienstreisen
    2. Wer hat Anspruch auf die Pendlerpauschale?
    3. Höhe der Pendlerpauschale: Wie viel Geld bekommen Sie zurück?
      1. Entfernungspauschale steigt 2022
    4. Pendlerpauschale bei Fahrten mit eigenem Auto
      1. Pendlerpauschale auch bei Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel?
    5. Berechnung der Pendlerpauschale
    6. Sind Nachweise für die Pendlerpauschale notwendig?
      1. Homeoffice und Pendlerpauschale: Besteht ein Anspruch?
    7. Mobilitätsprämie: Alternativen zur Entfernungspauschale für Geringverdiener
      1. Wer hat Anspruch auf Mobilitätsprämie?

Fast 13 Millionen Menschen in Deutschland sind Berufspendler und fahren täglich mit dem Auto zur Arbeit. Stau, Verkehrschaos und Tankstellen sind wohl täglicher Begleiter für die Pendler, einige legen Strecken von mehreren hundert Kilometern am Tag zurück. Kein Wunder, dass die Tankfüllung oft ganz schön ins Geld geht. Deshalb gibt es die Entfernungspauschale, auch als Pendlerpauschale bekannt, mit der sich berufstätige Arbeitnehmer über die Steuern einen gewissen Betrag der Fahrtkosten zurückholen können. Die Pendlerpauschale gilt aber nicht nur für Pendler, sondern für jeden Arbeitnehmer.

In diesem Jahr wird die Entfernungspauschale aufgrund der explodierten Spritpreise bereits früher erhöht: Rückwirkend gilt für Fernpendler seit Januar 2022 eine Pauschale von 38 Cent. Wer genau Anspruch auf die Entfernungspauschale hat, was der Unterschied zwischen Kilometer- und Pendlerpauschale ist und wie die Erhöhung ausfällt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Entfernungspauschale: Was ist die Pendlerpauschale?

Mit der Entfernungspauschale werden Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und der täglichen Arbeitsstätte abgegolten. Der offizielle Begriff für die Pendlerpauschale lautet Entfernungspauschale und sollte nicht mit der Kilometerpauschale verwechselt werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird häufig von Pendlerpauschale statt Entfernungspauschale gesprochen.

Doch der im Volksmund bekannte Begriff „Pendlerpauschale“ kann irreführend sein, denn die Entfernungspauschale gilt nicht nur für Pendler, sondern für alle Arbeitnehmer, unabhängig von der Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsstelle.

In § 9 des Einkommensteuergesetzes wird die sogenannte Pendlerpauschale als „Anwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte“ definiert. Dadurch zählen die Fahrten als Werbungskosten, also als Kosten, die für Sie im Zusammenhang mit Ihrem Beruf aufkommen. Die Pendlerpauschale bezieht sich auf den täglichen Arbeitsweg.

Fahrtkosten rückerstatten: Pendlerpauschale und Kilometerpauschale

Möchten Sie sich Ihre Fahrtkosten zurückholen, gibt es zwei Arten der Rückerstattung. Zu unterscheiden ist zwischen der Pendlerpauschale und der Kilometerpauschale. Beide Pauschalen zählen zwar zur Rückerstattung von Fahrtkosten, kommen aber in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz.

Kilometerpauschale nur bei Dienstreisen

Die Pendlerpauschale bezieht sich auf den täglichen Arbeitsweg, hingegen wird die Kilometerpauschale bei Dienstreisen berechnet. Als Dienstreisen gelten beruflich veranlasste Fahrten, die weder zum Wohnort noch zur ersten Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers führen.

Wer hat Anspruch auf die Pendlerpauschale?

Wie lang Ihr Arbeitsweg ist, spielt für die Entfernungspauschale keine Rolle, jedoch wird die Pauschale anhand der kürzesten Wegstrecke berechnet. Anders, als oft angenommen, gilt die Entfernungspauschale für alle Arbeitnehmer und nicht nur für Berufspendler mit langen Strecken zur Arbeitsstätte.

Für die Pendlerpauschale ist es theoretisch irrelevant, wie hoch die Kosten für den Arbeitsweg wirklich sind. Sie können als Arbeitnehmer den Weg zu Ihrer Arbeitsstätte auch zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen und trotzdem die Entfernungspauschale als Werbungskosten absetzen. Gegenüber Arbeitnehmern, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, ist das ein klarer Vorteil. Immerhin fallen für Sie dadurch keine Kosten an, dennoch beziehen Sie die Pauschale. Es gibt jedoch eine maximale Pauschalgrenze für Arbeitnehmer, die den Arbeitsweg ohne Auto zurücklegen.

Höhe der Pendlerpauschale: Wie viel Geld bekommen Sie zurück?

Bereits ab dem ersten Kilometer haben Sie als Arbeitnehmer das Recht, für jeden Arbeitstag, an dem Sie Ihren Arbeitsweg zurücklegen, 30 Cent pro Kilometer von der Steuer abzusetzen. Ab dem 21. Kilometer erhöht sich die Pauschale sogar und Sie erhalten eine höhere Entfernungspauschale.

Entfernungspauschale steigt 2022

Bis 2020 galt eine einheitliche Pauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer. Seit 2021 gilt der Betrag von 30 Cent nur noch für die ersten 20 Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.
Ab dem 21. Kilometer erfolgte 2021 eine Erhöhung auf 35 Cent. Da die Spritpreise weiterhin rapide ansteigen, plant die Bundesregierung eine auf den Jahresbeginn von 2022 rückwirkende Erhöhung:

So soll für 2022 bis 2026 ab dem 21. Entfernungskilometer eine Pauschale von 38 Cent gelten.

Der anfallende Betrag wird dann von Ihrem Jahreseinkommen abgezogen, bevor es zur Berechnung der Steuerlast kommt. Fahren Sie nicht mit dem eigenen Auto, sondern mit Motorrad, Moped, Fahrrad oder in einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit, müssen Sie die Kostendeckelung beachten: Wer nicht mit dem eigenen Auto zur Arbeit fährt, kann eine Pendlerpauschale von höchstens 4500 Euro als Werbungskosten geltend machen. Dies entspricht bei 220 Arbeitstagen etwa einem Arbeitsweg von rund 70 Kilometern.

Pendlerpauschale bei Fahrten mit eigenem Auto

Fahren Sie mit dem eigenen Auto zur Arbeit, sollten Sie die tatsächliche Jahresfahrleistung dokumentieren. Können Sie nachweisen, dass Sie mit Ihrem Auto fahren und Ihre Aufwendungen, aufgrund von mehr anfallenden Kilometern bis zur Arbeitsstätte, höher sind, steht Ihnen natürlich eine höhere Pauschale als 4.500 Euro zu. In der Regel kennt das Finanzamt dann keine Höchstgrenze für die Pendlerpauschale.

Pendlerpauschale auch bei Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel?

Grundsätzlich kann die Entfernungspauschale unabhängig vom Verkehrsmittel steuerlich kenntlich gemacht werden. Fahren Sie also nicht mit dem Auto oder Rad zur Arbeit, sondern etwa mit Bus oder Bahn, können Sie ebenfalls die Entfernungspauschale beziehen.

Es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie die Pendlerpauschale oder eine extra Abrechnung der Fahrtkosten wählen. Eine extra Abrechnung der Fahrtkosten für Bus und Bahn, lohnt sich in jedem Fall, wenn die Kosten für das Ticket mehr als 30 Cent pro Kilometer betragen.

In manchen Berufen steht sogar ein Arbeitsweg mit dem Flugzeug an. Sollte das bei Ihnen der Fall sein, können Sie die Entfernungspauschale nicht geltend machen. Jedoch können Sie die exakten Kosten für Ihr Flugticket bei der Steuer absetzen. Das Gleiche gilt auch zum Beispiel für Sammelbeförderungen durch den Arbeitgeber, insofern dadurch für Sie Kosten entstehen.

Berechnung der Pendlerpauschale

Für die Berechnung der Pendlerpauschale zählt der einfache Weg von der eigenen Wohnung bis zum Arbeitgeber, also der ersten Tätigkeitsstätte. Sie können diese Strecke nur einmal täglich geltend machen, auch wenn Sie etwa in der Mittagspause von der Arbeit nach Hause fahren.
Die Pauschale greift nur für die tatsächlichen Arbeitstage am Arbeitsplatz, so müssen Sie in der Regel Wochenende und Feiertage von den 356 Tagen im Jahr abziehen.

Sind Nachweise für die Pendlerpauschale notwendig?

In der Regel sind keine Nachweise möglich, insofern die Entfernungspauschale unter 4.500 Euro liegt. Geben Sie beim Finanzamt allerdings mehr Fahrten als 230 Tage an, müssen Sie diese nachweisen. Dafür können Sie zum Beispiel ein Fahrtenbuch anlegen und oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers einreichen.

Homeoffice und Pendlerpauschale: Besteht ein Anspruch?

Durch das Homeoffice reduziert sich die Aufwendung für den Arbeitsweg und damit auch die absetzbaren Werbungskosten in Form der Entfernungspauschale. Arbeiten Sie nur im Homeoffice entfällt auch Ihr Anspruch auf die Pendlerpauschale, da Sie keinen Arbeitsweg zurücklegen.

Da die Bestimmungen für das Homeoffice eher schwammig sind, wurde eine sogenannte Homeoffice-Pauschale eingeführt, unter anderem aufgrund der steigenden Arbeitnehmer im Homeoffice bedingt durch die Corona-Pandemie.

Arbeitnehmer können im Homeoffice für das Jahr 2020 und 2021 bis zu fünf Euro pro Tag von der Steuer absetzen, um Mehrbelastung durch das Arbeiten von Zuhause auszugleichen. Diese Regelung gilt für maximal 120 Tage pro Jahr und bringt Ihnen so jährlich bis zu 600 Euro.

Mobilitätsprämie: Alternativen zur Entfernungspauschale für Geringverdiener

Es gibt auch Pendler, die aufgrund ihres geringen Einkommens keine (Lohn-)Steuer zahlen und dennoch täglich zur Arbeit fahren. Diese Fernpendler profitieren von der Erhöhung der Entfernungspauschale also nicht.

Für Geringverdiener gibt es deshalb die sogenannte Mobilitätsprämie. Ab 2021 können Sie die Mobilitätsprämie alternativ zu den erhöhten Entfernungspauschalen ab dem 21. Entfernungskilometer wählen. Diese Prämie können Sie durch den Einkommensteuerbescheid festsetzen, insofern die Mobilitätsprämie mindestens zehn Euro beträgt.

Wer hat Anspruch auf Mobilitätsprämie?

Anspruch haben Fernpendler, die mit ihrem zu versteuernden Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegen und deshalb keine Einkommensteuer zahlen. Umgangssprachlich wird auch von Geringverdienern gesprochen. Doch wie hoch ist der Grundfreibetrag?

  • 2021 liegt der Grundfreibetrag für ledige Arbeitnehmer bei 9.744 Euro bzw. 19.488 Euro für Verheiratet.
  • 2022 liegt der Grundfreibetrag für ledige Arbeitnehmer bei 9.984 Euro bzw. 19.968 Euro für Verheiratete.

Sie erhalten vom Finanzamt auf Antrag eine Mobilitätsprämie, wenn die erste Tätigkeitsstätte mehr als 21 Kilometer von Ihrem Wohnsitz entfernt liegt. Auszubildende zählen übrigens häufig zu den Geringverdienern und können die Mobilitätsprämie beantragen, wenn die Ausbildungsstelle mindestens 21 Kilometer entfernt liegt.

Wie Sie sehen, können Sie sich trotz hohen Fahrtkosten beim täglichen Arbeitsweg über die Steuererklärung etwas von Ihren Ausgaben zurückholen. Vergessen Sie deshalb nicht, die Pendlerpauschale, als Werbungskosten geltend zu machen.