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Krankmeldung: Was Arbeitnehmer beachten sollten

Krankmeldung: Was Arbeitnehmer beachten sollten
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Jana Fast am 13.09.2016

Jeder Arbeitnehmer hat sich im Laufe seiner Karriere schon das ein oder andere mal krankgemeldet. Doch trotzdem kommen immer wieder Fragen auf. Was ist eigentlich während der Krankschreibung erlaubt? Darf mich mein Chef nach dem Grund für meine Krankmeldung fragen? Was muss ich tun wenn ich während meines Urlaubes krank werde? Die Antworten auf diese und weitere Fragen haben wir im Folgenden für Sie zusammengetragen:

Wann muss man sich beim Arbeitnehmer krankmelden?

Ein Arbeitnehmer der feststellt, nicht arbeitsfähig zu sein, muss sich unverzüglich bei seinem Arbeitgeber melden und dies mitteilen. Wer im Bett bleibt um auszuschlafen und sich erst mittags bei seiner Firma meldet, riskiert sogar eine Abmahnung. Der Arbeitgeber muss frühstmöglich informiert werden, damit sich dieser auf das Fehlen eines Mitarbeiters einstellen und eventuelle Vorkehrungen und Änderungen im Tagesplan treffen kann. Wenn der Arbeitnehmer also weiß, dass das Telefon im Büro ab 07:30 Uhr besetzt ist, dann sollte auch direkt um diese Uhrzeit die Krankmeldung beim Arbeitgeber erfolgen. Nähere Informationen, zum Beispiel zur Dauer der Krankmeldung, können auch nach einem Besuch beim Arzt nachgereicht werden.

Wann benötigt ein Arbeitnehmer einen gelben Schein oder ein Attest?

Es gibt eine gesetzliche Regelung, die besagt, dass eine Krankmeldung spätestens am vierten Tag beim Arbeitgeber vorgelegt werden muss. Es gibt jedoch auch Firmen, die die Vorlage des gelben Scheins bereits am ersten Tag der Krankmeldung verlangen. Dieser Bitte muss nachgegangen werden, ansonsten droht eine Abmahnung. Über das Einreichen der Krankmeldung am ersten Tag muss das Unternehmen seine Mitarbeiter aber explizit informieren und dazu auffordern. Geschieht dies nicht, reicht eine Abgabe am vierten Fehltag. Wer zum Beispiel am Dienstag krankgeschrieben wird, muss spätestens am Freitag den gelben Schein beim Arbeitgeber abgeben. Dies kann persönlich, aber auch per Post oder Email erfolgen.

Muss der Arbeitgeber den Grund für meine Krankschreibung erfahren?

Nein. Der Grund der Krankschreibung ist privat und muss dem Arbeitgeber nicht mitgeteilt werden. Auch die Krankenkassen dürfen einem Unternehmen keine Auskunft darüber geben. Wer mehr als sechs Wochen krankgeschrieben ist und somit Krankengeld beantragt, muss den Grund für seine Erkrankung der Krankenkasse mitteilen.

Erhalten Arbeitnehmer trotz Krankmeldung weiterhin ihr Gehalt?

Jeder Arbeitnehmer hat bei einer Erkrankung sechs Wochen lang Anspruch auf eine Lohnfortzahlung. Ist man länger als sechs Wochen krankgeschrieben, übernimmt die Krankenkasse die weiteren Zahlungen ab der siebten Woche. Das gezahlte Krankengeld beträgt etwa 70% des durchschnittlichen Gehaltes (netto). Das Krankengeld wird auch bei längerer Erkrankung gezahlt, allerdings höchstens für anderthalb Jahre.

Krankmeldung im Urlaub: Welche Pflichten und Rechte haben Arbeitnehmer?

Arbeitnehmer die während ihrer freien Urlaubstage erkranken, können sich krankmelden und bekommen die durch die Krankheit versäumte Erholungszeit wieder gutgeschrieben. Wie auch bei jeder anderen Krankmeldung muss eine Meldung beim Arbeitgeber unverzüglich erfolgen. Wer sich während seines Urlaubes krank meldet muss allerdings bereits am ersten Tag ein ärztliches Attest vorlegen. Dies gilt auch für Arbeitnehmer, die sich während des Urlaubes auf Reisen befinden. Auch wer sich im Ausland befindet muss sich eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähig ausstellen lassen. Übrigens: Die gutgeschriebenen Urlaubstage dürfen nicht einfach so an den Urlaub angehängt werden! Diese Urlaubstage müssen zu einem späteren Zeitpunkt genommen werden.

Welche Rechte haben Arbeitnehmer mit kranken Kindern?

Arbeitnehmer, die aufgrund einer Erkrankung eines Kindes zu Hause bleiben müssen, werden bei kurzen Krankheiten von bis zu einer Woche in der Regel bezahlt freigestellt. Ist eine längere Freistellung notwendig, wird diese in den meisten Fällen unbezahlt gewährt. Jedem Arbeitnehmer stehen insgesamt für ein Kalenderjahr pro Kind zehn Tage zu. Bei mehreren Kindern stehen einem Arbeitnehmer allerdings nur höchstens zwanzig unbezahlte Tage der Freistellung zu. Alleinerziehende Arbeitnehmer erhalten die doppelte Anzahl an Tagen, an denen sie für ein krankes Kind von der Arbeit freigestellt werden.

Arbeitsrecht Krankschreibung: Wann droht eine Abmahnung?

Mit einer Abmahnung müssen diejenigen Arbeitnehmer rechnen, die selbst nach Aufforderung kein Attest beim Arbeitgeber vorlegen. Auch Mitarbeiter, die sich nicht direkt zum Arbeitsbeginn sondern deutlich später im Unternehmen melden um Ihr Fehlen für den Arbeitstag mitzuteilen, können abgemahnt werden. Merkt ein Mitarbeiter am letzten Tag der Krankmeldung, dass keine Besserung eingetreten ist und dieser nicht in den Betrieb zurückkehren kann sondern sich am nächsten Tag eine Folgebescheinigung beim Arzt einholen wird, muss auch dies unverzüglich dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Am besten, nicht am Tag, an dem man ins Unternehmen hätte zurückkehren sollen, sondern bereits am Vortag. Eine Abmahnung kann auch dann ausgesprochen werden, wenn der krankgemeldete Arbeitnehmer einer Beschäftigung nachgeht, für die er eigentlich krankgeschrieben worden ist. Dann droht im schlimmsten Fall sogar eine verhaltensbedingte fristlose Kündigung.

Wann droht wegen einer Krankheit die Kündigung?

In der Regel kann einem Arbeitnehmer nicht aufgrund einer Krankheit gekündigt werden. Dies ist nur dann möglich, wenn dieser über mehrere Jahre hinweg jährlich mehr als sechs Wochen krankgeschrieben war und zu erwarten ist, dass sich keine Besserung einstellen wird. Arbeitnehmer, die auf unabsehbare Zeit krankgeschrieben wurden, können ebenfalls gekündigt werden. Damit so eine Kündigung überhaupt rechtens ist, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Erstens, die Krankschreibung erfolgt für mindestens zwei Jahre. Und Zweitens, es besteht keine Aussicht auf Besserung.

Arbeitsrecht Krankmeldung: Was ist während der Krankschreibung erlaubt?

Generell gilt, dass alle Aktivitäten, die einen positiven Einfluss auf die Genesung haben, erlaubt sind. Es hängt also in gewissem Maße von der Krankheit selbst ab, was während einer Krankschreibung erlaubt ist und was nicht. So ist es beispielsweise erlaubt, während der Krankmeldung in einem Restaurant zu speisen, wenn das selbstständige Kochen aufgrund einer Erkältung zu anstrengend wäre. Auch Spaziergänge sind erlaubt, sofern vom Arzt keine ausdrückliche Bettruhe verordnet wurde. Handelt es sich bei dem Grund für die Krankmeldung um Rückenleiden, Knieschmerzen oder andere Leiden des Bewegungsapparates, so ist auch gegen einen Besuch im Schwimmbad nichts auszusetzen, da das Schwimmen bei solchen Beschwerden einen positiven Einfluss auf die Genesung haben kann. Alles, was den Heilungsprozess unterstützen kann, ist erlaubt. Aktivitäten, die nicht gesundheitsfördernd sind, sind zu unterlassen. Dazu gehört zum Beispiel der Besuch eines Diskothek. Dies kann als Fehlverhalten gedeutet werden und eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung nach sich ziehen.