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Kinderkrankengeld und Kinderkrankentage: Was gilt für berufstätige Eltern?

Anastasia Johlen am 11.03.2022
ca. 1213 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 24 Sekunden
Kinderkrankengeld und Kinderkrankentage: Was gilt für berufstätige Eltern?
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Inhalt:
  1. Kinderkrankengeld: Was genau ist das?
    1. Bezahlte Freistellung bei erkrankten Kindern
  2. Kinderkrankengeld statt Lohnfortzahlung
    1. Voraussetzungen für die Auszahlung des Kinderkrankengelds
  3. Haben Eltern mit Minijob Anspruch auf Kinderkrankengeld?
  4. Wie viele Krankentage stehen Familien zu?
  5. Kinderkrankengeld: Wie hoch ist es?
  6. Sonderfall Corona-Pandemie: Was gilt bei Kita- und Schulschließung?
    1. Haben Sie im Homeoffice ebenfalls einen Anspruch auf Kinderkrankengeld?
  7. Teilzeit und Elterngeld: Haben Sie ein Anspruch auf Kinderkrankengeld?
  8. Kinderkrankengeld beantragen: So erhalten Sie Kinderkrankengeld
    1. Schritt 1: Sie brauchen eine ärztliche Bescheinigung
    2. Schritt 2: Antrag auf Krankengeld ausfüllen
    3. Schritt 3: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber

Für berufstätige Eltern ist es oftmals gar nicht so leicht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Besonders wenn das Kind krank ist, bleibt berufstätigen Eltern oft keine andere Wahl, als von der Arbeit fernzubleiben. In Deutschland gibt es für diese Situation Unterstützung und Eltern haben Kinderkrankentage und bekommen für den Lohnausfall Kinderkrankengeld.

Doch wie viele Tage haben Eltern frei, um ihre kranken Kinder zu betreuen? Wie hoch fällt das Kinderkrankengeld aus? Was gilt in der Sondersituation von geschlossenen Kitas und Schulen aufgrund der Corona-Pandemie?

Kinderkrankengeld: Was genau ist das?

Fieber, Durchfall, Erkältung oder Ohrenschmerzen: Kinder sind oft krank und besonders in der kalten Jahreszeit sind die kleinen Menschen häufiger erkrankt. Für berufstätige Eltern ist es ein organisatorischer Kraftakt, diese Sondersituation aufzufangen. Insbesondere, wenn Eltern keine Unterstützung durch Familie oder Freunde haben, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als während der Erkrankung von der Arbeit fernzubleiben. Immerhin lässt keiner sein krankes Kind alleine zu Hause.

Kinderkrankengeld sichert die finanzielle Situation von berufstätigen Eltern, wenn diese aufgrund einer Erkrankung von der Arbeit fernbleiben und der Arbeitgeber den Lohn nicht fortzahlt.
Krankes Kind: Freistellung von der Arbeit

Berufstätige Eltern oder alleinerziehende Elternteile haben einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit, wenn ein Kind unter zwölf Jahren erkrankt ist. Ein Elternteil kann dann für die Pflege und Betreuung des Kindes oder mehrere Kinder von der Arbeit bezahlt oder unbezahlt freigestellt werden.

Bezahlte Freistellung bei erkrankten Kindern

Da stellt sich die Frage, wie es mit der Bezahlung aussieht? Sie selbst sind nicht erkrankt, sondern Ihr Kind, also können Sie keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt bekommen, oder etwa doch?

Sie selbst werden nicht krankgeschrieben, aber Sie können vom Kinderarzt bescheinigen lassen, dass Ihr Kind krank ist. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Kinderkrankenschein. Mit einem ärztlichen Attest erhalten Sie weiterhin Lohn, wenn folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • erkranktes Kind ist unter zwölf Jahren
  • Ein ärztliches Attest liegt vor
  • Eltern bleiben nicht länger als fünf Tage von der Arbeit fern

Geregelt wird dieser Sonderurlaub durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Paragraf 616: Arbeitnehmer dürfen aus unvermeidbaren und unverschuldeten Gründen vom Job freigestellt werden, ohne dass ihnen der Lohn gekürzt wird.  Viele Arbeitgeber umgehen dieses Gesetz durch eine Klausel im Arbeitsvertrag.

Kinderkrankengeld statt Lohnfortzahlung

Einige Arbeitgeber schließen im Tarif- oder Arbeitsvertrag die Lohnfortzahlung bei erkrankten Kinder aus: Mit Paragraf 616 können Arbeitgeber Ihren Anspruch verhindern, denn „ein Vergütungsanspruch besteht nur für tatsächlich geleistete Arbeit“.

Müssen Sie also doch auf Ihren Lohn verzichten, wenn Ihr Kind krank ist? Nein, keine Sorge!

Regulär muss Ihnen Ihr Arbeitgeber also den Lohn weiter zahlen. Zahlt Ihr Arbeitgeber nicht, springt bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern die Krankenkasse ein. Sie zahlt das sogenannte Kinderkrankengeld.

Voraussetzungen für die Auszahlung des Kinderkrankengelds

  • Sie haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.
  • Der betroffene Elternteil ist gesetzlich krankenversichert.
  • Bzw. das erkrankte Kind ist selbst- oder familienversichert.
  • Die Pflegebedürftigkeit des Kindes wird durch ein ärztliches Attest bestätigt.
  • „Ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes“
  • Das erkrankte Kind ist jünger als 12 Jahre oder, wenn es älter ist, behindert und hilfebedürftig.
  • Im Haushalt kann niemand anderes die Betreuung und Pflege des erkrankten Kindes übernehmen.

Privatversicherte und berufstätige Eltern haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Ist lediglich ein Elternteil privat versichert, ist die Versicherung ausschlaggebend, bei welcher das Kind mitversichert ist. Für privat Krankenversicherte gibt es die Möglichkeit einer Entschädigung für Verdienstausfall nach Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz

Haben Eltern mit Minijob Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Berufstätige Eltern mit einem Minijob haben in der Regel keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Dennoch haben Sie als Elternteil mit Minijob einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit.

Wie viele Krankentage stehen Familien zu?

Kinder sind oft und häufig krank, doch zahlt Ihr Arbeitgeber Ihren Lohn bei einem erkrankten Kind nicht weiter, haben Sie nur eine bestimmte Anzahl an Kinderkrankentagen im Jahr.

2021 wurden die Kinderkrankentage von 20 Tagen pro Elternteil und Kind auf 30 Tage und damit für Elternpaare pro Kind auf 60 Tage erhöht. Jedes Elternteil hat nämlich einen Anspruch auf Kinderkrankentage. Alleinerziehende hatten vorher 30 Tage Anspruch auf Kinderkrankentage, seit 2021 sind es 60 Tage. Haben Sie mehrere Kinder, besteht für Sie ein Anspruch auf maximal 65 Tagen, für Alleinerziehende sind es maximal 130 Tage im Jahr.

Kinderkrankengeld: Wie hoch ist es?

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für den Erhalt des Kinderkrankengeldes, zahlt Ihnen die Krankenkasse ab dem ersten Tag 90 Prozent des regelmäßigen Nettolohns. Haben Sie in den letzten zwölf Monaten vor Inanspruchnahme des Kinderkrankengeldes noch Einmalzahlungen wie zum Beispiel Weihnachts- oder Urlaubsgeld erhalten, bekommen Sie Ihr ursprüngliches Nettogehalt gezahlt. Der Tageshöchstsatz vom Kindergeld liegt bei 112,88 Euro.

Wichtig ist, dass Sie die Zahlung des Kinderkrankengeldes in Ihrer Steuererklärung angeben, da das Kinderkrankengeld nicht auf Ihrer Gehaltsabrechnung aufgeführt wird.

Sonderfall Corona-Pandemie: Was gilt bei Kita- und Schulschließung?

Aufgrund der Corona-Pandemie müssen Kitas und Schulen häufig teilweise oder komplett geschlossen werden und ein regulärer Betrieb findet oftmals nicht statt. Muss Ihr Kind aufgrund von Kita- oder Schulschließung zu Hause bleiben, gelten die Krankentage auch für diesen Fall. Sie können die 30 oder auch 60 Tage sowohl für die Betreuung eines kranken Kindes verwenden als auch für die Betreuung aufgrund von geschlossenen Betreuungseinrichtungen.

Haben Sie im Homeoffice ebenfalls einen Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Der Trend geht immer mehr hin zum mobilen Arbeiten: Homeoffice wird immer beliebter und häufiger von Arbeitgebern gewährt. Vor allem durch die Corona-Pandemie wurde die Arbeit von Zuhause in Form vom Homeoffice in einigen Berufen zur Pflicht.

Haben Sie also auch einen Anspruch auf Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld, obwohl Sie quasi bereits Zuhause sind und dort arbeiten?

Ja, es besteht ein Anspruch, unabhängig davon, ob die Arbeitsleistung im Homeoffice erbracht wird.

Teilzeit und Elterngeld: Haben Sie ein Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Befinden Sie sich aktuell in einer Teilzeitbeschäftigung und beziehen Elterngeld, haben Sie Anspruch auf Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Die Auszahlung des Kinderkrankengeldes reduziert das Elterngeld nicht. Dies wird durch die Elterngeldregelungen zur Anrechnung gewährleistet: die Höhe des Elterngelds verändert sich Eltern in Teilzeit nicht, wenn diese Einkommensersatzleistungen beziehen, dazu zählt auch Kinderkrankengeld.

Kinderkrankengeld beantragen: So erhalten Sie Kinderkrankengeld

Damit Sie Kindergeld erhalten, müssen Sie es beantragen. Wie das funktioniert, erfahren Sie in wenigen Schritten.

Schritt 1: Sie brauchen eine ärztliche Bescheinigung

Damit Sie das Kinderkrankengeld beantragen können, benötigen Sie eine ärztliche Bescheinigung, dass Ihr Kind erkrankt ist und eine Betreuung notwendig ist.

Dafür füllt Ihr Arzt die Vorderseite der speziellen Bescheinigung aus und kreuzt an, dass die Betreuung und Beaufsichtigung notwendig ist. Ohne diesen Kinderkrankenschein können Sie kein Kindergeld beantragen.

Schritt 2: Antrag auf Krankengeld ausfüllen

Auf der Rückseite dieser speziellen Bescheinigung befindet sich der Antrag auf Kinderkrankengeld bei der Krankenkasse. Füllen Sie die Rückseite aus, geben Sie Anschrift und Bankverbindung an. Zahlt Ihr Arbeitgeber laut Arbeitsvertrag keinen Lohn, wählen Sie das Feld „keinen Anspruch auf Entgeldfortzahlung“ aus.

Hat Ihnen die Krankenkasse im laufenden Jahr bereits Kinderkrankengeld gezahlt, tragen Sie die Anzahl der Krankheitstage für das betreffende Kind ein. Als nächstes unterschreiben Sie den Antrag und fertigen eine Kopie für sich und den Arbeitgeber an.

Schritt 3: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber

Bleiben Sie für die Betreuung und Pflege eines Kindes zu Hause, müssen Sie Ihren Arbeitgeber über Ihr Fernbleiben informieren. Spätestens am Arbeitstag, der auf den dritten Krankheitstag folgt, muss Ihrem Arbeitgeber die Kopie der ärztlichen Bescheinigung vorliegen.

Trotz krankem Kind sind Sie relativ gut abgesichert und brauchen sich keine Sorgen, über Ihre finanzielle Situation zu machen.