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Erste Führungsrolle: Diese 10 Todsünden sollten Sie als Chef vermeiden

Lillia Seifert am 08.04.2021
ca. 1853 Worte
ungefähre Lesezeit 6 Minuten 44 Sekunden
Erste Führungsrolle: Diese 10 Todsünden sollten Sie als Chef vermeiden
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Inhalt:
  1. Gute und schlechte Führung: Top 3 Unterschiede am Beispiel erklärt
    1. Beispiel 1: Die Idee eines Mitarbeiters annehmen
    2. Beispiel 2: Mit Herausforderung richtig umgehen
    3. Beispiel 3: Wenn nötig selbst aktiv werden
  2. Debüt als Chef: Die 10 häufigsten Fehler neuer Führungskräfte
    1. Fehler 1: Sie lassen sich von Ihren Emotionen leiten
    2. Fehler 2: Sie handeln nicht nach Ihrem Wertesystem
    3. Fehler 3: Sie Kommunizieren Sachverhalte nicht klar und deutlich
    4. Fehler 4: Sie unterstützen Mobbing oder Diskriminierung
    5. Fehler 5: Sie verschieben häufig Ihre Prioritäten
    6. Fehler 6: Sie sind nicht erreichbar oder gar unzugänglich
    7. Fehler 7: Sie schikanieren oder stellen Mitarbeiter bloß
    8. Fehler 8: Sie bevorzugen einen Mitarbeiter offensichtlich
    9. Fehler 9: Sie stellen sich als der cleverste Akteur dar
    10. Fehler 10: Sie sind unehrlich oder unzuverlässig
  3. Vom Mitarbeiter zum Chef: Top 5 Tipps für Ihre erste Führungsposition
    1. Tipp 1: Finden Sie Ihren persönlichen Führungsstil
    2. Tipp 2: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran
    3. Tipp 3: Zeigen Sie Dankbarkeit und Wertschätzung
    4. Tipp 4: Kommunizieren Sie effizient und transparent
    5. Tipp 5: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Mitarbeiter

Endlich ist es soweit. Sie sind nicht mehr lediglich ein Mitarbeiter des Unternehmens, sondern zum ersten Mal in einer Führungsposition. Tatsächlich scheitert etwa die Hälfte aller frisch gebackenen Chefs an der neu gewonnenen Verantwortung oder gibt die Führungsrolle aufgrund von Überforderung und Hilflosigkeit wieder auf. Als neuer Boss müssen Sie eine Menge lernen, jedoch lassen sich die entscheidenden 10 Todsünden frühzeitig vermeiden. Im Folgenden erfahren Sie, welche Fehler Sie in Ihrer neuen Position nicht machen dürfen, um mit Erfolg die Führung zu übernehmen und bekommen ein paar hilfreiche Tipps mit an die Hand.

Gute und schlechte Führung: Top 3 Unterschiede am Beispiel erklärt

Nun sind Sie zum ersten Mal der Chef eines Unternehmens oder einer Abteilung. Daraus ergeben sich natürlich einige Vorteile, wie etwa ein höheres Gehalt und mehr Verantwortung im Job. Allerdings gibt es auch einige gefährliche Fallen, die Sie unabhängig von Ihrem Alter oder Ihrer Vorerfahrung unbedingt kennen sollten.

Vergewissern Sie sich zunächst einmal, dass Sie einen schlechten Führungsstil erkennen und von einem wirklich guten unterschneiden können. Zur Veranschaulichung haben wir drei Beispielsituationen, die verdeutlichen, wie Sie sich unter Ihren Mitarbeitern unbeliebt machen und worauf es als kompetenter Chef ankommt.

Beispiel 1: Die Idee eines Mitarbeiters annehmen

Im ersten Beispiel ist die Ausgangssituation, dass ein Mitarbeiter aus Ihrer Belegschaft mit einer neuen Idee oder einem Vorschlag, der dem gesamten Team helfen würde, zu Ihnen kommt. Als Chef wissen Sie, dass es eigentlich Ihre Aufgabe ist, diese Lösung für ein Problem anzubieten und dem Team unnötigen Aufwand oder Schaden zu ersparen.

  • Schlechte Führung: Als mieser Boss fühlen Sie sich durch den einfallsreichen Mitarbeiter bedroht und in Ihrer Kompetenz als Chef infrage gestellt. Dadurch agieren Sie den Vorschlag Ihres Mitarbeiters entweder nicht aus oder kritisieren diesen unrechtmäßig.
  • Gute Führung: Es ist nicht einfach zu erkennen, dass Sie nicht den entscheidenden Einfall hatten. Sie sehen die Situation positiv, nehmen den Vorschlag an und freuen sich darüber, dass Mitarbeiter mit neuen Ideen zu Ihnen kommen.

Beispiel 2: Mit Herausforderung richtig umgehen

Ihr Unternehmen steht vor einer Herausforderung, der Sie sich selbst nicht gewachsen fühlen. Aufgrund mangelnder Erfahrung und fehlender Kenntnisse in einem bestimmten Bereich wissen Sie nicht genau, wie Sie damit umgehen sollen. Einer Ihrer Mitarbeiter ist in diesem Kompetenzbereich jedoch geschult und kann Ihnen zum Erfolg verhelfen.

  • Schlechte Führung: Sie fühlen sich durch den kompetenten Mitarbeiter bedroht und können nicht mit Ihrem persönlichen Mangel an Kenntnissen umgehen, also geben Sie vor, sich selbst besser auszukennen als Ihr Mitarbeiter. Im schlimmsten Fall lassen Sie Ihre Wut an Ihrem Angestellten aus und werfen diesem vor, was ihm denn einfallen würde, Ihre Autorität zu untergraben.
  • Gute Führung: Sie erkennen Ihre Grenzen an und gehen selbstsicher mit Ihrer Unwissenheit auf diesem Gebiet um. Sie nehmen sich Zeit, mit dem geschulten Mitarbeiter an dem Problem zu arbeiten und von ihm zu lernen. Zudem stellen Sie Fragen und freuen sich darüber, einen so guten Mitarbeiter im Team zu haben.

Beispiel 3: Wenn nötig selbst aktiv werden

In herausfordernden Zeiten können die Aufgaben und Pflichten in Ihrem Betrieb schon einmal die maximale Arbeitsleistung Ihrer Belegschaft fordern. Verpasste Deadlines oder schlechte Arbeitsergebnisse können das Resultat von zeitlicher Überlastung und mangelnder Arbeitskraft im Unternehmen sein.

  • Schlechte Führung: Sie geraten innerlich in Panik und haben Angst vor Umsatzeinbußen oder unzufriedenen Kunden. Aus diesem Grund machen Sie Ihre Mitarbeiter für den Engpass verantwortlich und geben ihnen die Schuld für unzureichende Ergebnisse.
  • Gute Führung: Als kompetenter Chef erkennen Sie, dass es in ihrer Verantwortung liegt, die geforderten Unternehmensleistungen zu erbringen und sind sich nicht zu schade, in schwierigen Zeiten selbst mit anzupacken, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Sie krempeln die Ärmel hoch und helfen Ihrem Team, wo Sie nur können.

Debüt als Chef: Die 10 häufigsten Fehler neuer Führungskräfte

Die zuvor aufgeführten Beispiele verdeutlichen den Unterschied zwischen kompetentem und inkompetentem Führungsstil bereits sehr gut. Allerdings ist es nicht ausreichend zu wissen, was gute Führung ist, wenn Sie das erste Mal als Chef arbeiten. Vielmehr sollten Sie die tückischen Fallen kennen, die schnell das Aus für Ihre neu gewonnene Rolle bedeuten können. Die folgenden zehn Todsünden müssen Sie als frisch gebackener Chef unbedingt vermeiden.

Fehler 1: Sie lassen sich von Ihren Emotionen leiten

„Ich bin stinksauer und ihr seid alle Taugenichtse!“

Als Führungskraft sollten Sie sich niemals einzig und allein von Ihren Emotionen leiten lassen. Selbstverständlich sind Gefühle wichtig und in einigen Situationen auch absolut angebracht, Ihnen bei Entscheidungen zu helfen. Allerdings dürfen Sie es nicht zulassen, dass Ihre Emotionen die Oberhand ergreifen und Sie selbst nicht mehr Herr der Situation sind.

Fehler 2: Sie handeln nicht nach Ihrem Wertesystem

„Ich entscheide, was das Beste für mich ist!“

Als neuer Chef empfinden Sie den Druck vermutlich noch als sehr hoch und sehen in bestimmten Situationen lediglich einen Kompromiss als richtigen Weg. Manchmal muss jedoch eine klare Entscheidung her, die eventuell gegen Ihr individuelles Wertesystem spricht. Hier ist es wichtig, dass Sie sich für die Variante entscheiden, die das Beste für Ihr Unternehmen ist und nicht für Sie persönlich.

Fehler 3: Sie Kommunizieren Sachverhalte nicht klar und deutlich

„Ich weiß auch nicht genau, was Herr Meier gerade bearbeitet.“

Für Ihre Mitarbeiter ist es besonders frustrierend, wenn Sie keine klaren Strukturen und Vorgaben von Ihnen bekommen. Ein Vorgesetzter, der nicht klar und deutlich sagt, wo es langgeht, kann auch von seinen Mitarbeitern nicht erwarten, dass diese selbstsicher und souverän handeln. Unsichere Kommunikation und mangelndes Leiten durch eine Führungskraft führt somit auch zu Unsicherheiten bei der Belegschaft.

Fehler 4: Sie unterstützen Mobbing oder Diskriminierung

„Sehen Sie Frau Krone, die anderen finden Sie auch zu langsam.“

Wenn Sie es zulassen, dass innerhalb Ihres Teams Mobbing oder Diskriminierung ausagiert werden, machen Sie sich mit schuldig. Derartige Demonstration von Macht wirkt nicht motivierend und erhöht keinesfalls die Leistung und Produktivität Ihrer Mitarbeiter. Vielmehr ergeben sich aus derartigem Verhalten ernsthafte Probleme für die Dynamik im Team, die  im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Fehler 5: Sie verschieben häufig Ihre Prioritäten

„Auch wenn ich das gestern gesagt habe, heute machen wir es anders.“

Es ist für alle Beteiligten Ihres Unternehmens schwierig, wenn Sie als Führungskraft keine klaren Prioritäten formulieren und Ihre Meinung häufig ändern. Als neuer Chef müssen Sie sich vergegenwärtigen, dass Ihre Inkonsequenz zu Unsicherheiten und mangelnden Strukturen innerhalb Ihres Teams führt.

Fehler 6: Sie sind nicht erreichbar oder gar unzugänglich

„Ich bin die nächsten Wochen nicht da, wenden Sie sich einfach an Kollegen.“

Als Vorgesetzter ist es wichtig, dass Sie für Ihr Team stets erreichbar und präsent sind. Je mehr Sie in direktem Kontakt mit Ihren Angestellten stehen, desto mehr wissen Sie über alle Vorgänge im Unternehmen Bescheid und das ist unerlässlich, um gut führen zu können. Durch Unerreichbarkeit leidet folglich nicht nur die Arbeitsmoral, sondern auch die Produktivität.

Fehler 7: Sie schikanieren oder stellen Mitarbeiter bloß

„Herr Meier hat das viel besser gemacht als Sie, das sollte Ihnen zu denken geben.“

Falls Sie einen Mitarbeiter auf einen Fehler hinweisen müssen oder ihn kritisieren möchten, tun Sie dies keinesfalls vor der Belegschaft, sondern nur unter vier Augen. Durch Schikane oder Bloßstellen verlieren Ihre Angestellten ihre persönliche Würde und Sie damit Ihren Respekt und Ihre Autorität als Führungskraft.

Fehler 8: Sie bevorzugen einen Mitarbeiter offensichtlich

„Frau Krone, Sie sind aber auch ausnahmslos clever und allen einen Schritt voraus.“

Es ist durchaus angemessen, Angestellte zu loben, die besonders motiviert und produktiv sind. Allerdings sollten Sie nicht offensichtlich zeigen, wenn Sie einen Mitarbeiter aufgrund seiner Leistung oder Persönlichkeit bevorzugen, denn das wirkt sich negativ auf die gesamte Stimmung und das Arbeitsklima aus.

Fehler 9: Sie stellen sich als der cleverste Akteur dar

„Sie richten sich bitte in jeder Hinsicht nach meiner Arbeitsweise, so klappt das am besten.“

Selbst wenn Sie als Vorgesetzter die meiste Erfahrung mitbringen und gegenüber Ihrem Arbeitsteam am versiertesten im Umgang mit den Aufgaben und Pflichten innerhalb des Unternehmens sind, sollten Sie dies nicht raushängen lassen. Hören Sie trotz Ihrer eventuellen Überlegenheit gut zu, bringen Sie Verständnis für die gesamte Belegschaft auf und motivieren Sie auch unsichere Mitglieder dazu, ihre Meinung zu äußern.

Fehler 10: Sie sind unehrlich oder unzuverlässig

„Ich weiß auch nicht, wieso die Deadline nicht eingehalten wurde, nicht mein Problem.“

Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit sind nicht nur Eigenschaften, die in persönlichen Beziehungen von höchster Relevanz sind, sondern ganz besonders auch im beruflichen Kontext unerlässlich. Andernfalls leidet das Vertrauen und die Loyalität sowie Solidarität im Team – Attribute, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit unabdingbar sind.

Vom Mitarbeiter zum Chef: Top 5 Tipps für Ihre erste Führungsposition

Wenn Sie auf Ihrer Karriereleiter ganz nach oben möchten, wartet dort vermutlich eine Führungsposition. Ganz gleich, ob Sie lediglich ein kleines Team leiten oder der Chef eines gesamten Unternehmens sind, stehen Sie doch zu Anfang vor den gleichen Herausforderungen.

Vom Mitarbeiter zum Boss zu werden verlangt nicht nur viel Disziplin, sondern auch ein hohes Maß an Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein. Die folgenden fünf Tipps für Ihre erste Führungsrolle helfen Ihnen dabei, sich optimal in der neuen Position zurechtzufinden.

Tipp 1: Finden Sie Ihren persönlichen Führungsstil

Ausgebaute Fähigkeiten und Kenntnisse im Bereich Management sind nicht nur von Vorteil, sondern unerlässlich, wenn Sie ein guter Chef sein wollen. Dazu gehört es auch, einen eigenen Stil zu entwickeln, mit dem Sie Ihre Rolle als Vorgesetzter perfekt ausführen können. Informieren Sie sich dazu vor Antritt Ihres neuen Jobs über mögliche Strategien und Methoden der Unternehmensführung. So bilden Sie eine solide Grundstruktur, auf der Sie Ihre Arbeit effizient und effektiv aufbauen können.

Tipp 2: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

Als Führungskraft sind Sie ein Vorbild für das gesamte Arbeitsteam und sollten sich auch dementsprechend verhalten. Ihre Persönlichkeit und Ihr Auftreten im Unternehmen dienen der Belegschaft als Orientierung, weshalb Sie sich genauso verhalten sollten, wie Sie es sich auch von Ihren Angestellten wünschen.

Tipp 3: Zeigen Sie Dankbarkeit und Wertschätzung

Wahrhaftig motivierte Mitarbeiter gibt es nur dort, wo ausreichend Dankbarkeit und Wertschätzung entgegengebracht werden. Wenn Sie in Ihrer Rolle als Chef lediglich Druck ausüben, um für entsprechende Leistungen zu sorgen, leidet das Arbeitsklima. Es sind schließlich Ihre Mitarbeiter, denen Sie Ihren Erfolg zu verdanken haben, also lassen Sie sie es auch zwischendurch wissen.

Tipp 4: Kommunizieren Sie effizient und transparent

Innerhalb jeden Unternehmens muss es mindestens eine Person geben, die zwischen den verschiedenen Akteuren vermittelt. In den meisten Fällen ist es die Pflicht des Chefs, also Ihre Aufgabe, alle notwendigen Sachverhalte effizient und transparent zu kommunizieren. Andernfalls kommt es zu Missverständnissen, unter denen schlimmstenfalls die Effizienz des Unternehmens leidet.

Tipp 5: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Mitarbeiter

Eine gute Führungskraft muss wie ein Familienoberhaupt für die Zufriedenheit aller Beteiligten sorgen. Als Chef sind Sie somit nicht nur für die Arbeitsergebnisse verantwortlich, sondern auch für jedes einzelne Teammitglied. Alle Fehltritte, jede verpasste Deadline oder falsche Entscheidung fällt auf Sie zurück. Es ist absolut notwendig, dass Sie die Verantwortung für all diese Dinge übernehmen und sich als erste Person der Lösung etwaiger Probleme widmen.

Fazit
Wie Sie sehen, gibt es eine Reihe tückischer Fallen, in die Sie als frisch gebackener Chef tappen können. Wir haben Ihnen gezeigt, wie Sie den Unterschied zwischen guter und schlechter Führung ausmachen können, welche Todsünden Sie in Ihrer ersten Führungsposition unbedingt vermeiden sollten und mit welches Tipps Sie sich als neuer Boss eines Unternehmens behaupten können.