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Erfolgreiche Gehaltsverhandlung: Wie gehen Sie richtig vor?

Anastasia Johlen am 17.01.2022
ca. 1474 Worte
ungefähre Lesezeit 5 Minuten 21 Sekunden
Erfolgreiche Gehaltsverhandlung: Wie gehen Sie richtig vor?
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Inhalt:
  1. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung?
    1. Expertentipp für den Zeitpunkt einer Gehaltsverhandlung
  2. Gehalt nach Leistungen: Gehaltserhöhung gerechtfertigt?
    1. Marktwert vor Gehaltsverhandlung ermitteln
  3. Wie hoch darf die Gehaltserhöhung sein?
    1. Als Faustregel gilt bei einer Gehaltserhöhung…
  4. Gelungenes Gehaltsgespräch führen: 5 Tipps für eine erfolgreiche Verhandlung
    1. Tipp 1: Rhetorische Mittel nutzen: Fordern Sie keine Gehaltserhöhung
    2. Tipp 2: Machen Sie den ersten Verhandlungszug
    3. Tipp 3: Treten Sie in dem Verhandlungsgespräch selbstbewusst auf
    4. Tipp 4: Vermeiden Sie private Themen und persönliche Umstände
    5. Tipp 5: Bleiben Sie während des Verhandlungsgesprächs flexibel
      1. Benefits statt Gehaltserhöhung:
    6. Nur Mut: Trauen Sie sich nach mehr Gehalt zu fragen

Über das Gehalt zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Noch schwieriger ist es für viele, nach mehr Gehalt zu fragen: Wie geht man bei einer Gehaltsverhandlung direkt vor? Fallen Sie direkt mit der Tür ins Haus oder tasten Sie sich lieber vorsichtig, Schritt für Schritt, voran? Klare Worte sind nicht immer vorteilhaft und plumpe Sprüche können Sie bares Geld in einer Gehaltsverhandlung kosten.
Aber was gilt es noch bei einer Gehaltsverhandlung zu beachten? Wie viel mehr Geld ist angebracht und wann ist der richtige Zeitpunkt? In diesem Artikel werden Sie die Antworten rund um die Gehaltsverhandlung bekommen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung?

Eine regelmäßige Gehalts- oder Lohnerhöhung soll das wachsende Know-how der Angestellten fair entlohnen. Der passende Zeitpunkt ist für den Erfolg Ihres Verhandlungsgesprächs bedeutend.

Wann der richtige Zeitpunkt tatsächlich ist, kann nicht so pauschal gesagt werden. Verschiedene Faktoren beeinflussen, wann Sie am besten das Gespräch für mehr Geld suchen. Experten raten dazu, alle 18 bis 24 Monate eine Gehaltsverhandlung zu führen.

Orientierungspunkte für den passenden Zeitpunkt können Ihnen folgende Fragen geben:

  • Wann haben Sie das Beschäftigungsverhältnis aufgenommen?
  • Wie lange sind Sie in dem Betrieb tätig?
  • Wann war die letzte Gehaltsverhandlung?
  • Sind Sie an einen Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag gebunden?
  • In welcher Branche sind Sie tätig?
  • Was verdienen andere Arbeitnehmer in Ihrem Arbeitsbereich?

Neben diesen Fragen, gibt es auch bestimmte Zeitpunkte im Berufsleben, in denen es angebracht ist, nach einer Gehalts- oder Lohnerhöhung zu fragen.

  • Wichtige Zeitpunkte für eine Gehaltserhöhung
  • Ende der Probezeit/des befristeten Arbeitsverhältnisses
  • Jährliche Gehaltserhöhung
  • Nach Meilensteinen/ leistungsbezogenen Zielen
  • Nach einer Beförderung
  • Nach einer Fortbildung oder Weiterbildung

Möchten Sie regelmäßige Gehaltserhöhungen einplanen, müssen Sie sich an die Budgetierung Ihres Arbeitgebers für ein Geschäftsjahr orientieren. Oft gilt das Ende eines Geschäftsjahres oder der Anfang eines neuen Geschäftsjahres als optimaler Zeitpunkt für Gehaltsverhandlungen. Ist Ihnen Ihr Arbeitgeber erst vor weniger Zeit mit einer Gehaltserhöhung entgegengekommen, sollten Sie nicht zu voreilig nach einer weiteren Erhöhung fragen.

Expertentipp für den Zeitpunkt einer Gehaltsverhandlung

Wenn möglich, sollten Sie die Gehaltsverhandlung zwischen Frühjahr und Sommer angehen. So kann Ihr Arbeitgeber das eventuell höhere Gehalt noch in den Geschäftsplan für das kommende Jahr einkalkulieren. Bitten Sie im Herbst oder Winter um mehr Geld, sind die Ressourcen häufig schon verplant, was die Chance auf eine Gehaltserhöhung mindert.

Gehalt nach Leistungen: Gehaltserhöhung gerechtfertigt?

Bestimmte Leistungen, neue Aufgaben oder Projekte können ein Argument sein, dass Sie Ihr Gehalt bei Ihrem Chef neu verhandeln. Alternativ können Sie auch Boni oder Benefits vereinbaren. Das bedeutet aber nicht, dass Sie nach jedem abgeschlossenem Projekt oder alle paar Monate bei Ihrem Vorgesetzen, um eine Gehaltserhöhung bitten.
Bevor Sie ein größeres Projekt oder ein neues Tätigkeitsfeld annehmen, sollten Sie sich Gedanken über eine Gegenleistung machen. Immerhin erweitern Sie Ihr Aufgabenfeld und nehmen zusätzliche Tätigkeiten auf. Haben Sie Ihr Wissen erweitert oder neue Fähigkeiten erlernt, etwa in einer Fortbildung, sollten Sie auch das zum Anlass nehmen, um sich nach mehr Geld zu erkundigen. Der Umfang Ihrer Leistungen und Ihr Wissen sind für Ihre Bezahlung entscheidend.

Nichtsdestotrotz sollten Sie nicht nach jeder Fortbildung oder Weiterbildungsmaßnahme in dem Glauben sein, eine Gehaltserhöhung sei berechtigt. Nicht immer ist es für ein Unternehmen umsetzbar, nach jeder Weiterbildung entsprechend den Lohn anzupassen. Orientieren Sie sich zunächst an einen jährlichen Rhythmus für die Gehaltsverhandlung.

Marktwert vor Gehaltsverhandlung ermitteln

Bevor Sie um ein Gespräch bitten, sollten Sie sich Gedanken über das Gespräch machen und wissen wie viel Ihre Leistungen wert sind. Dafür ist es sinnvoll, wenn Sie Ihren Marktwert ermitteln und prüfen welches Gehalt für Ihre Branchen, Ihren Beruf und Ihre Position angebracht ist.
Im Internet können Sie sogenannte Gehaltschecks finden, wo Sie kostenlos prüfen können, welches Gehalt in Ihrer Branche im Durchschnitt gezahlt wird. Die Gehälter können sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Bevor Sie sich in eine Gehaltsverhandlung stürzen, sollten Sie bedacht und gut informiert vorgehen. Seien Sie vorbereitet und zeigen Sie Kompetenz auf dem Gebiet der Gehaltsverhandlung und Ihrer Person.

Wie hoch darf die Gehaltserhöhung sein?

Eine Frage, die wohl jeden Arbeitnehmer quält: Wie viel mehr Geld im Monat können Sie überhaupt erwarten?

Die Höhe des Gehalts hängt nicht nur von Ihren Leistungen ab, sondern auch von der Unternehmensgröße, dem Standort, der Branche, Ihrem Bildungsgrad und Ihrer Berufserfahrung. Auf die meisten Faktoren können Sie keinen Einfluss nehmen, jedoch auf Ihre Bildung und Berufserfahrung. In der Arbeits- und Geschäftswelt läuft es so: Wer mehr kann, bekommt dafür auch mehr Geld.

Wer geschickt verhandelt, kann bei einer Gehaltserhöhung zwischen drei und 10 Prozent mehr herausholen. Bei einem externen Jobwechsel sind sogar bis zu 20 Prozent mehr Gehalt möglich.

Als Faustregel gilt bei einer Gehaltserhöhung…

  • Gehaltsverhandlung vor einem Jahr: plus 3 bis 5 Prozent
  • Mehr Verantwortung und neue Aufgaben: plus 5 bis 7 Prozent
  • Bei einer Beförderung: plus 10 bis 15 Prozent

Besonders in einem großen Unternehmen, sollten Sie belegen, wo Sie in dem Unternehmen stehen, welchen Beitrag Sie leisten und was Ihre Ziele und künftigen Erfolge sind. Was für Ihren Arbeitgeber oder Vorgesetzten zählt, sind die Leistungen und Mehrwert.

Gelungenes Gehaltsgespräch führen: 5 Tipps für eine erfolgreiche Verhandlung

Wie bei allen Personalgesprächen sollte eine gute Vorbereitung selbstverständlich sein. Doch gerade bei einem Verhandlungsgespräch, in dem es um Geld geht, sollten Sie nichts dem Zufall überlassen.
Gehen Sie auf keinen Fall unvorbereitet und unwissend in ein Gehaltsgespräch, das verringert Ihre Chance auf mehr Geld. Nicht nur die Vorbereitung ist für Ihren Erfolg wichtig, sondern auch wie Sie sich während des Gesprächs präsentieren.

Tipp 1: Rhetorische Mittel nutzen: Fordern Sie keine Gehaltserhöhung

Der Ton macht die Musik, gerade bei einem so sensiblen Thema wie dem Gehalt. Deshalb sollten Sie in die Trickkiste greifen, und sich psychologische und rhetorische Mittel zum Nutzen machen.
Fragen Sie Ihren Vorgesetzen nicht nach einer Gehaltserhöhung, sondern nach einer „Gehaltsanpassung“. Versuchen Sie sich in die Position Ihres Arbeitgebers zu versetzen und dementsprechend vorzugehen. Aus Unternehmersicht klingt das Wort „Gehaltsanpassung“ weniger fordernd als Gehaltserhöhung.

Weiterhin sollten Sie Sprechpausen nutzen, Einwände vorwegnehmen und Ihre Fragen und Antworten konkret formulieren. Die Macht der Rhetorik ist in einem Verhandlungsgespräch nicht zu unterschätzen.

Tipp 2: Machen Sie den ersten Verhandlungszug

Am besten ergreifen Sie die Initiative und sprechen Ihren konkreten Gehaltswunsch an – lassen Sie das erst einmal wirken. Wichtig ist hierbei, dass Sie keinen unrealistischen Betrag nennen und übers Ziel hinausschießen. Versuchen Sie Ihren persönlichen Marktwert realistisch einzuschätzen und ordnen Sie sich angemessen in Ihrer Branche und Position ein.

Ihr Chef wird sich auf die Verhandlung einlassen, wenn Ihre Argumente und Gehaltserhöhung realistisch und umsetzbar sind.

Tipp 3: Treten Sie in dem Verhandlungsgespräch selbstbewusst auf

Verkaufen Sie sich nicht unter Wert und bringen Sie klar zum Ausdruck, was Sie für das Unternehmen geleistet haben. Zeigen Sie, wie wichtig Sie für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sind, aktuell und auch in Zukunft.

Nutzen Sie Ihre Stärken, Ihr Wissen oder besondere Qualifikationen für eine erfolgreiche Verhandlung. Viele Arbeitgeber sind beeindruckt, wenn Mitarbeiter Ihre Relevanz und Bedeutung für das Unternehmen richtig einordnen können, das macht selbstständige und mitdenkende Arbeitnehmer aus.

Tipp 4: Vermeiden Sie private Themen und persönliche Umstände

Versuchen Sie nicht auf private Themen oder persönliche Umstände zurückzugreifen. Zwar sind finanzielle Umstände oder Nöte emotional nachvollziehbar, aber aus ökonomischer und unternehmerischer Sicht von geringer Bedeutung.
Lassen Sie sich auch nicht von Ihrem Arbeitgeber auf die persönliche und emotionale Ebene ziehen, dass macht Sie leicht angreifbar und so kann es passieren, dass Sie bei der Verhandlung schneller nachgeben und nicht Ihr gewünschtes Ziel erreichen.

Tipp 5: Bleiben Sie während des Verhandlungsgesprächs flexibel

Sollte Ihr Arbeitgeber aktuell nicht in der Lage sein, Ihnen ein höheres Gehalt zu zahlen, ist das noch nicht das Ende des Verhandlungsgesprächs. Vergessen Sie nicht, dass Sie sich Ihre Leistung auch anders bezahlen lassen können und zwar in Form von anderen Vorzügen und Benefits.

Benefits statt Gehaltserhöhung:

  • Beteiligung an Fahrtkosten
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Mitarbeiterrabatte
  • SonderurlaubMöglichkeit im Home-Office zu arbeiten

Werfen Sie die Flinte nicht sofort ins Korn, wenn es nicht mit mehr Geld klappt. Nutzen Sie die Chance und zeigen Sie Flexibilität, indem Sie sich nach den genannten Benefits erkundigen. Das zeigt nicht nur Ihre Kompromissbereitschaft, sondern auch Ihr Verhandlungsgeschick. Zusätzlich können sich unter Umständen für Sie steuerliche Vorteile ergeben und das Unternehmen spart Sozialabgaben.

Nur Mut: Trauen Sie sich nach mehr Gehalt zu fragen

Zugegeben, niemand fragt gerne nach mehr Geld und es ist für viele Arbeitnehmer nicht gerade das angenehmste aller Gespräche. Doch es ist ein wichtiger Bestandteil Ihres Arbeitslebens und auch Ihrer beruflichen Entwicklung. Sie wissen am besten, wie gut Sie Ihre Arbeit erledigen, was Sie leisten und was Sie als Arbeitskraft wert sind. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert und gehen Sie ruhig auf Ihren Vorgesetzen zu und bitten Sie um eine Lohnerhöhung.

Bei einem Verhandlungsgespräch muss es nicht immer um mehr Geld gehen, auch andere Bonuszahlungen oder Benefits können zum Gespräch werden. Nur Mut, gehen Sie auf Ihren Vorgesetzen zu und verhandeln Sie Ihre gewünschten Konditionen. Sie werden das Gespräch gekonnt meistern und mit einem Gewinn aus der Verhandlung gehen.