© Rido | shutterstock.com

Die Kündigungs-Tricks der Arbeitgeber: So tappen Sie nicht in die Falle

Christiane Peters am 29.04.2021
ca. 1225 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 27 Sekunden
Die Kündigungs-Tricks der Arbeitgeber: So tappen Sie nicht in die Falle
© GoodStudio | sutterstock.com
Inhalt:
  1. Mitarbeiter genießen einen gesetzlichen Kündigungsschutz
  2. Die Kündigungsfalle
  3. Warum Arbeitgeber bewusst Fallen legen
  4. Hier 10 Tipps, die Ihnen helfen, die Fallen aufzudecken:
    1. Tipp 1: Mit Provokationen reizen
    2. Tipp 2: Aushorchende Kollegen
    3. Tipp 3: Gezielte Irreführung
    4. Tipp 4: Mobbing-Attacken
    5. Tipp 5: Finanzielle Kürzungen
    6. Tipp 6: Repressalien androhen
    7. Tipp 7: Erpressungsversuche
    8. Tipp 8: Unwahrheiten verbreiten
    9. Tipp 9: Unverbindliche mündliche Zusagen
    10. Tipp 10: Kein Betriebseigentum privat nutzen
  5. Das können Sie gegen Kündigungstricks tun

Kündigungen an sich sind nichts Ungewöhnliches: Sie gehören genauso zum Berufsalltag wieder der Jobwechsel und die Bewerbung auf eine neue Stelle. Wenn da nicht die ausgeklügelten und unschönen Kündigungen wären, bei denen der Mitarbeiter, der seinen Arbeitsplatz räumen soll, von langer Hand geplant mit fiesen Tricks in eine Falle gelockt wird. Woran erkennt man, dass der Arbeitgeber Böses im Schilde führt? Wie kann man sich vor ausgelegten Fallstricken schützen?

Mitarbeiter genießen einen gesetzlichen Kündigungsschutz

Einem Mitarbeiter zu kündigen, ist für die meisten Arbeitgeber keine angenehme Aufgabe. Zumal es schon einen triftigen Grund geben muss, um einem Beschäftigten für immer Lebewohl zu sagen. Wenn Sie nicht gerade goldene Löffel gestohlen haben, wird es schwierig, Sie von heute auf morgen vor die Tür zu setzen. Auch die häufig angeführte betriebsbedingte Kündigung muss hieb- und stichfest sein.

Der Gesetzgeber hat nämlich vorgesorgt: Beschäftigte, die mindestens sechs Monate in einem Unternehmen tätig sind, können nicht einfach grundlos entlassen werden. Das heißt, will der Arbeitgeber jemanden loswerden, muss er dieses genau erklären und einen stichhaltigen Grund anführen. Eine Ausnahme gibt es für kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Auch von Beschäftigten in der Probezeit können sich Arbeitgeber ohne Nennung von Gründen einfach trennen. Das hört sich aus Arbeitnehmersicht erst einmal gut an.

Die Kündigungsfalle

Doch die Realität ist eine andere. In der Praxis gibt es einige Beispiele, die zeigen, wie Chefs ein enormes kreatives Potenzial und Fantasie entwickeln, um ungeliebte Mitarbeiter zum Gehen zu bewegen. Manche outen sich als richtig fiese Typen, scheuen keine Mühen und entwickeln mit beeindruckender Energie einzigartig ausgeklügelte Tricks, auf die man selbst in seinen kühnsten Träumen gar nicht kommen würde.

Experten sprechen in solchen Fällen von einer Kündigungsfalle, also eines gezielt entwickelten Plans, der den Mitarbeiter in eine konstruierte Situation führt, in der er gezwungen ist, sich anders als üblich zu verhalten. Geht das Konzept des Arbeitgebers auf, kann er ihm daraus „einen Strick drehen“. Damit hat er willkürlich einen Grund für die Trennung geschaffen und kann so das Arbeitsverhältnis auflösen.  

Warum Arbeitgeber bewusst Fallen legen

Selbstverständlich sind solche Praktiken mehr als zweifelhaft. Für den Arbeitgeber haben diese selbst gelegten Fallstricke mehr als einen Nutzen. Denn plötzlich hat er nicht nur einen triftigen Grund gefunden, der eine verhaltens- oder personenbedingte Kündigung rechtfertigt. Er verhindert so auch eine mögliche Abfindung. Bei Beschäftigten, die schon lange dem Unternehmen die Treue halten, kann das ganz schön ins Geld gehen. Mitarbeiter, die durch Fehlverhalten ihren Arbeitsplatz verlieren, haben jedoch keinen Anspruch auf eine Zahlung. Für den Arbeitgeber also eine aus wirtschaftlicher Sicht attraktive Situation.

Hier 10 Tipps, die Ihnen helfen, die Fallen aufzudecken:

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Chef gerade mit unschönen Mitteln an Ihrem Stuhl sägt, seien Sie auf der Hut. Es gibt einige Anzeichen, die auf ein solches Vorhaben schließen lassen.  

Tipp 1: Mit Provokationen reizen

Beliebtes Instrument mancher Arbeitgeber ist es, den Mitarbeiter gezielt zu provozieren und einen Streit vom Zaun zu brechen, damit dieser mit Beleidigungen reagiert. Wir alle wissen, dass man in Konfliktsituationen sich schnell im Ton vergreifen kann. Genau dieses erhofft sich ein gemeiner Arbeitgeber. Denn er weiß, wer seinen Chef oder das Unternehmen beleidigt, liefert einen berechtigten Grund für eine fristlose Kündigung. Die negativen Äußerungen führen zudem dazu, dass der Mitarbeiter sich auch um seine Abfindung bringt.   

Tipp 2: Aushorchende Kollegen

Geht der Plan „Provokation“ nicht auf, gibt es eine weitere Möglichkeit, den auf der Abschussliste stehenden Mitarbeiter in Bedrängnis zu bringen. Der Kollege wird dann als „Gehilfe“ des Chefs engagiert und als „Spion“ tätig. Seine Aufgabe ist es, seinen Kollegen soweit zu bringen, dass dieser sich beleidigend über den Arbeitgeber äußert. Diese Vorgehensweise ist Kalkül: Die meisten Beschäftigten sind offener gegenüber Kollegen und bringen schneller Mal ein negatives Wort über die Lippen. Deshalb sollten Sie vorsichtig sein, was Sie und wem Sie etwas sagen. Am besten machen Sie Ihrem Ärger woanders Luft. Der Arbeitsplatz ist eher nicht der geeignete Ort.    

Tipp 3: Gezielte Irreführung

Auf der Suche nach Fehlern ist manchen Arbeitgebern jedes Mittel recht. Und so gibt es auch Fälle, in denen sie dem Mitarbeiter bewusst falsche Informationen zukommen lassen. So werden zum Beispiel Termine nicht korrekt oder Arbeitsanweisungen unvollständig mitgeteilt. Wer ungenügende oder falsche Informationen erhält, kann nicht professionell handeln und auch nicht zu anberaumten Terminen erscheinen. Ideal für den Chef: Er hat nun einen guten Grund für die Kündigung.

Tipp 4: Mobbing-Attacken

Ein weiteres probates Mittel, dass manche Chefs gerne einsetzen und das in die Kategorie Mobbing gehört, ist die Ankündigung von Überstunden und die Vergabe von unlösbaren Aufgaben. Möglich ist, dass der Arbeitgeber damit sogar gegen das Arbeitszeitgesetz verstößt. Der Betriebsrat kann Ihnen in so einem Fall weiterhelfen.   

Tipp 5: Finanzielle Kürzungen

Richtig wehtun können einem Arbeitnehmer auch finanzielle Einbußen, wie zum Beispiel die Kürzung des Weihnachtsgelds oder die Wegnahme von Sonderzahlungen.

Tipp 6: Repressalien androhen

Unschön, aber durchaus in der Praxis bekannt sind Drohungen. Dem Mitarbeiter wird zum Beispiel eine Klage angedroht, wenn er den Anordnungen des Unternehmens nicht zustimmt. Hier werden Ängste geschürt und Druck aufgebaut, nicht jeder Mitarbeiter kann diesen Handlungen etwas entgegensetzen. Dennoch sollten Sie nicht unüberlegt etwas unterschreiben.

Tipp 7: Erpressungsversuche

Manche Arbeitgeber gehen zwar mit weniger Druck ans Werk, ihre Vorgehensweise ist jedoch keineswegs seriöser. Wer seinem Mitarbeiter einfach einen Aufhebungsvertrag unterschiebt, versucht den ungeliebten Beschäftigten zu erpressen. Auch hier gilt, nicht einfach unterschreiben.

Tipp 8: Unwahrheiten verbreiten

Durch gezielte Lügen versuchen Arbeitgeber manchmal, ihren Mitarbeitern den Job madig zu machen. So sprechen sie zum Beispiel eine Kündigung aus und betonen die Rechtmäßigkeit, obwohl dies arbeitsrechtlich nicht der Fall ist. Der Druck, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, ist reine Willkür. Verträge und Dokumente sollten Sie niemals sofort unterschreiben.   

Tipp 9: Unverbindliche mündliche Zusagen

Unglaublich, aber in der Praxis leider durchaus möglich: Der Arbeitgeber offeriert am Telefon einige besonderen Angebote und „Freiheiten“, nur um den Mitarbeiter in eine schwierige Lage zu bringen. Beispiel: die telefonische Urlaubsverlängerung. Erlaubt Ihnen Ihr Chef mündlich, den Urlaub um einige Tage zu verlängern, dann sollten Sie auf eine schriftliche Genehmigung bestehen. Ansonsten kann Ihr Chef Ihnen kündigen, wenn Sie tatsächlich erst einige Tage später wieder am Arbeitsplatz erscheinen.  

Tipp 10: Kein Betriebseigentum privat nutzen

Manche Arbeitgeber bieten ihren Beschäftigten das Nutzen von Werkzeugen oder Mobiliar im Privatbereich an. Das kann manchmal jedoch eine hinterhältige Falle sein. Arglistige Chefs legen Ihnen die Nutzung später als Firmendiebstahl aus und haben damit leichtes Spiel, Sie loszuwerden.

Das können Sie gegen Kündigungstricks tun

Wenn Sie einen Chef haben, der nichts unversucht lässt, um Sie aus dem Unternehmen zu jagen, sollten Sie genau überlegen, wie Sie sich verhalten. Folgende Schritte sind sinnvoll:

  • Behalten Sie einen kühlen Kopf und unterschreiben Sie nichts.
  • Handeln Sie nicht unüberlegt.
  • Suchen Sie arbeitsrechtliche Unterstützung.
  • Bemühen Sie sich um einen anderen Job, denn langfristig werden Sie bei Ihrem Arbeitgeber keine Zukunft mehr haben. Mit einer Bewerbung aus einer ungekündigten Position heraus haben Sie außerdem die bessere Ausgangsposition. Und auch der Anspruch auf eine Abfindung könnte Ihren Abgang noch versüßen.

Hinterlistige Arbeitgeber, die mit miesen Tricks versuchen, sich von unliebsamen Mitarbeitern zu trennen, sind zum Glück nicht die Regel. Doch leider gibt es Fälle, in denen Chefs zu unschönen Taktiken und Methoden greifen, die nicht nur unseriös, sondern auch unmenschlich sind. Wenn Sie einen Vorgesetzten haben, der es nicht gut mit Ihnen meint und der mit Einschüchterungen versucht, sein Ziel zu erreichen, seien Sie vorsichtig und passen Sie auf, dass Sie nicht in einige der oben beschriebenen Kündigungsfallen tappen.