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Die Abfindung – Was Arbeitnehmern im Falle einer Kündigung zusteht

Die Abfindung – Was Arbeitnehmern im Falle einer Kündigung zusteht
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Jana Fast am 23.06.2016

Nicht jeder Arbeitnehmer kann nach dem Erhalt einer Kündigung mit einer Abfindung rechnen. Häufig zahlen Unternehmen sie trotzdem, auch, wenn sie es nicht immer müssten. Warum? Damit Arbeitnehmer nicht vor Gericht gehen und gegen die Kündigung klagen. Prozesse vor Arbeitsgerichten möchten die meisten Unternehmen nämlich sehr gerne vermeiden. Zu groß ist die Gefahr, damit nicht nur einen finanziellen, sondern vor allem auch einen Image Schaden davonzutragen. Hier erfahren Sie, wann Ihnen im Falle einer Kündigung eine Abfindung zusteht, und was Sie sonst noch über dieses Thema wissen sollten!

Was ist eine Abfindung?

Unter einer Abfindung versteht man eine einmalige außerordentliche Zahlung, die ein Arbeitnehmer nach Beendigung seines Arbeitsverhältnisses von seinem Arbeitgeber erhält. Damit soll der folgende Verdienstausfall entschädigt werden. Die Höhe der Abfindung wird für jeden Arbeitnehmer individuell berechnet. Doch so eine Abfindung ist nicht für jeden eine ideale Lösung, denn diese wirkt sich sowohl auf die Steuerausgaben, als auch auf die Zahlung von Arbeitslosengeld aus.

Wann habe ich Anspruch auf eine Abfindung?

Leider gibt es im Falle einer Kündigung keinen Rechtsanspruch auf eine Abfindung. Diese außerordentliche Zahlung erhalten Mitarbeiter nur, wenn dies in einem der folgenden Unterlagen schriftlich vereinbart wurde:

  • im Arbeitsvertrag
  • im Tarifvertrag
  • im Sozialplan
  • im Geschäftsführervertrag

Ebenfalls möglich: Sollten Sie in den letzten Jahren immer wieder mitbekommen haben, dass gekündigte Kollegen eine Abfindung bekommen haben, dann gilt das Gewohnheitsrecht. In diesem Fall steht Ihnen also auch eine Abfindung zu. Natürlich kann so eine Abfindung auch auf einer freiwilligen vertraglichen Vereinbarung beruhen. Diese zwei Möglichkeiten gibt es:

1. Aufhebungsvertrag mit Abfindungsregelung:
Hier wird vertraglich festgehalten, dass das Beschäftigungsverhältnis aufgelöst wird. Mit der Unterschrift geben sich also beide Parteien mit der Kündigung einverstanden. Bei einem normalen Aufhebungsvertrag besteht kein Anspruch auf eine Abfindung, daher muss unbedingt darauf geachtet werden, dass eine Abfindungsregelung in den Vertag mit aufgenommen wird.

2. Abwicklungsvertrag mit Abfindungsregelung:
Bei einem Abwicklungsvertrag akzeptiert der Arbeitnehmer seine Kündigung. Damit wird eine Klage gegen die Kündigung schriftlich ausgeschlossen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Arbeitgeber aber zu einer Abfindungszahlung.

Abfindung berechnen: Zeigen Sie Verhandlungsgeschick

In den meisten Fällen beträgt die Höhe der Abfindung ein halbes bis ein ganzes Bruttomonatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Wer also zum Beispiel nach zehn Jahren im Unternehmen eine Kündigung erhält und zuletzt 3.000 Euro brutto verdient hat, kann mit einer Regelabfindung von 15.000 Euro bis 30.000 Euro rechnen. Häufig raten Anwälte aber, ein wenig Verhandlungsgeschick walten zu lassen und sich nicht mit dieser „Daumenregel“ zu begnügen.

So kann man etwa auch noch versuchen, eine bezahlte Freistellung, Weiterbildungen oder auch Outplacement Beratungen in Anspruch zu nehmen, deren Kosten natürlich der Arbeitgeber trägt. Zudem können weitere Leistungen wie Urlaubsgeld oder Gratifikationen mit in die Berechnung der Abfindung einfließen. Natürlich spielt dabei die Branche und die finanzielle Situation des Unternehmens eine große Rolle.

Die Summe der Abfindung richtet sich nicht ausschließlich an die oben beschriebene Regelung. Auch das Alter des Beschäftigten, Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt, die Familiensituation und so weiter können berücksichtigt werden. Daher werden Vereinbarungen über die Höhe der Abfindung auch immer sehr individuell berechnet, weshalb unterschiedliche Personen in einem Unternehmen auch unterschiedlich hohe Abfindungen bekommen können.  

Die Abfindung versteuern?

Abfindungen müssen versteuert werden. Allerdings nur in einem gewissen Umfang. Damit durch diese Entschädigungs-Zahlung keine Nachteile für den Arbeitnehmer entstehen, weil dieser in einen höheren Steuersatz rutschen würde, werden keine Sozialabgaben berechnet. Diese Steuerermäßigungen für außerordentliche Einkünfte bewahren gekündigte Arbeitnehmer vor finanziellen Nachteilen nach der Kündigung.

Wirkt sich die Abfindung auf das Arbeitslosengeld aus?

Eine pauschale Antwort kann hier nicht gegeben werden. Ob eine Abfindung das Arbeitslosengeld beeinflusst oder nicht, hängt natürlich vor allem von der Höhe der Entschädigung ab. In einigen Fällen müssen ehemalige Arbeitnehmer mit einer Sperre von bis zu zwölf Wochen rechnen. Die Zahlung des Arbeitslosengeldes beginnt dann später, und häufig auch noch mit einer kleinen Kürzung. Mit der Zahlung von Arbeitslosengeld können Sie trotzdem spätestens zwölf Wochen nach der Kündigung rechnen.