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Burnout - Tipps zur Prävention, Früherkennung und Wiedereinstieg in den Job

Burnout - Tipps zur Prävention, Früherkennung und Wiedereinstieg in den Job
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Jana Fast am 13.09.2016

Die wenigsten Betroffenen sprechen darüber. Ein schwerer Erschöpfungszustand, auch Burnout genannt, wird nämlich leider immer noch als „Modekrankheit“ abgestempelt und nicht von jedem ernst genommen. Denn ein Burnout zu erleiden wird als Schwäche ausgelegt, dem heute erforderlichen Leistungsdruck nicht standhalten zu können oder einfach nicht ausreichend belastbar für die Anforderungen der modernen Jobwelt zu sein. Alles Quatsch. Heute gehen fast 20% aller Krankschreibungen auf psychische Erkrankungen wie Burnout zurück. Und dass nicht etwa, weil der klassische Arbeitnehmer immer schwächer und sensibler wird, sondern deshalb, weil Leistungsdruck, Arbeitspensum und Stresspegel kontinuierlich ansteigen.

Wussten Sie eigentlich, dass besonders motivierte Menschen eher dazu neigen, einen Burnout zu erleiden? Auch Arbeitnehmer, die sich als perfektionistisch, idealistisch und besonders leistungsbereit beschreiben würden, sind häufiger betroffen. Doch nicht nur persönliche Eigenschaften können diese Erkrankung begünstigen. Einige Berufsgruppen sind nämlich ebenfalls stärker betroffen als andere. Dies trifft vor allem auf Arbeitnehmer in sozialen Berufen zu. Vor allem Pflegekräfte, Ärzte, Lehrer und Sozialarbeiter unterliegen einem höheren Risiko eines Burnouts.

Burnout Symptome frühzeitig erkennen

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, ist es wichtig erste Anzeichen und Warnsignale eines Burnouts richtig zu deuten und zu erkennen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht richtig ist und sich das Leben irgendwie in eine „falsche Richtung“ entwickelt, sollten Sie hellhörig werden. Verschenken Sie nicht wertvolle Jahre Ihres Lebens damit, diesen falschen Kurs weiterhin anzusteuern. Verändern Sie etwas! Spätestens, wenn Sie einen oder mehrere dieser Symptome bei sich feststellen, ist es an der Zeit zu handeln:

  • Schlaflosigkeit
  • chronische Müdigkeit
  • Apathie
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • hoher Blutdruck
  • depressive Verstimmungen

Es ist wichtig sich einzugestehen, dass die Symptome die man bemerkt, nicht bloß die Auswirkungen herkömmlichen Stresses sind. Es wäre falsch anzunehmen, dass Stress zum Leben dazugehört und man die gesundheitlichen Auswirkungen von Stress im Joballtag nun mal in Kauf nehmen muss. Die seelische und körperliche Überlastung ist keineswegs etwas, dass ein Arbeitnehmer in Kauf nehmen muss. Die Gesundheit eines Menschen sollte immer an erster Stelle stehen. Und wenn man bemerkt, dass der Job die eigene Gesundheit gefährdet, sollte man aktiv werden!

Ein drohendes Burnout abwenden

Sie haben die zuvor genannten ersten Burnout-Symptome bei sich feststellen können? Dann ist es wichtig, früh genug die Reißleine zu ziehen! Warten Sie nicht, bis auf die Burnout-Symptome noch eine Depression hinzukommt und Sie es gar nicht mehr schaffen, morgens aus dem Bett zu kommen. Handeln Sie schnellstmöglich. Hier stellen wir Ihnen die ersten drei Schritte vor, um ein drohendes Burnout abzuwenden.

1. Aktiv werden

Wenn Sie täglich Ihren Frust in sich hineinfressen ändern Sie nichts an Ihrer Lage. Sprechen Sie dagegen lieber die zuständige Person in Ihrem Unternehmen auf die Missstände an. Erläutern Sie, weshalb es Ihnen momentan so schwer fällt Freude an Ihrem Job zu haben. Gemeinsam können Sie mit der zuständigen Person nach einer Lösung für Ihr Problem suchen. Sind Sie mit Ihren Aufgaben überfordert, zögern Sie nicht dies Ihrem Chef mitzuteilen. Auch dieser handelt lieber präventiv, als zu riskieren, dass Sie aufgrund eines Burnouts eventuell für Monate ausfallen könnten. Doch gehen Sie nicht nur zu Ihrem Vorgesetzten, um sich zu beklagen. Halten Sie konkrete Vorschläge parat, wie Sie Ihre Situation verbessern könnten. Möchten Sie ein ganz anderes Aufgabengebiet übernehmen oder sogar die Abteilung wechseln, sollten Sie sich auf hierfür im Vorfeld gute Argumente zurechtlegen.

2. Ruhe finden

Wird Ihnen alles zu viel, sollten Sie sich eine kleine Auszeit nehmen. Sind Ihre Urlaubstage aufgebraucht, fragen Sie nach unbezahltem Urlaub. Wenn es gar nicht anders geht, müssen Sie sich krankschreiben lassen. Während dieser Auszeit ist es das allerwichtigste, dass Sie sich auch wirklich ausruhen. Denken Sie nicht mehr an Ihren Job, an die Kollegen, die Kunden oder an den Chef. Checken Sie keine Emails und lassen Sie auch das Diensthandy ausgeschaltet. Gewinnen Sie so den nötigen Abstand, um sich über Ihre Situation klar zu werden. Reflektieren Sie die letzten Wochen, Monate oder Jahre Ihres Berufslebens. Welche Veränderungen wünschen Sie sich? Wie lassen sich diese umsetzen oder erreichen? Legen Sie sich einen Schlachtplan zurecht und entwickeln Sie ein Strategie, mit der Sie in eine positive Zukunft blicken können. Ob im alten oder womöglich in einem neuen Job.

3. Hilfe annehmen

Sich in so einer Extremsituation Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern die einzig richtige Entscheidung. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber und lassen Sie sich möglicherweise eine Überweisung zu einem Therapeuten geben. Versuchen Sie nicht, alleine mit Ihrer Last zurechtkommen zu wollen. Gestehen Sie sich lieber ein, dass Sie an einem Punkt angelangt ist, an dem es für Sie besser wäre, sich Unterstützung von einem Profi zu holen. Und warten Sie mit diesem Schritt nicht, bis Sie vollkommen ausgebrannt sind.

Burnout – Tipps zur Prävention

  • Konsequent Grenzen setzen: Auf der Uhr schlägt es Feierabend, doch Sie haben noch so viel zu tun, dass Sie länger bleiben wollen? Wenn es sich vermeiden lässt, dann lassen Sie das. Gehen Sie pünktlich nach der Arbeit nach Hause und erledigen Sie diese wichtige Sache gleich am nächsten Morgen. Setzen Sie sich bewusst Grenzen in Ihrem Job, um nicht wieder vor Erschöpfung zusammenzubrechen. Halten Sie diese Grenzen konsequent ein.
  • An seinen Schwächen arbeiten: Sie können einfach nicht „nein“ sagen und übernehmen daher viele Aufgaben Ihrer Kollegen? Schluss damit! Lassen Sie nicht zu, weiterhin mit Arbeit zugeschüttet zu werden wie bisher. Ziehen Sie die Reißleine und lernen Sie, solche Schwächen abzulegen.
  • Passen Sie die Arbeitsanforderungen an: Kehren Sie nach dem Burnout wieder in Ihren alten Job zurück, müssen Sie Ihre Aufgaben und Anforderungen schrittweise anpassen. Und zwar so, dass diese auf Ihre persönliche Leistungsfähigkeit Rücksicht nehmen. Beginnen Sie klein und steigern Sie sich langsam. Haben Sie ein Arbeitspensum erreicht, bei dem Sie sich wohl fühlen, bleiben Sie dabei!

Wie geht es nach dem Burnout weiter?

Viele Betroffene befürchten, nach einer Rückkehr in den alten Job die gleichen Probleme vorzufinden. Der gleich Trott, das gleiche Arbeitsumfeld und die gleichen Aufgaben. Man selbst hat sich nach einer Auszeit aufgrund eines Burnouts verändert. Doch der alte Job hat es nicht. Vielleicht haben Sie ja Glück und Ihr Arbeitnehmer wird von nun an mehr Rücksicht auf Sie nehmen und darauf achten, Sie nicht wieder so zu überlasten. Aber vielleicht haben Sie auch kein Glück und verfallen wieder in den selben Teufelskreis, aus dem es so schwer war auszubrechen. Befürchten Sie, dass genau dies der Fall sein wird, ist ein Jobwechsel unter Umständen die klügere Entscheidung. Überlegen Sie sich, wir Ihre berufliche Zukunft aussehen soll und verfolgen Sie diese Richtung.