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Boreout: Wenn Unterforderung im Job krank macht

Boreout: Wenn Unterforderung im Job krank macht
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Jana Fast am 14.12.2016

Die meisten Angestellten verbringen einen Großteil des Tages am Arbeitsplatz. Aus diesem Grund ist Zufriedenheit im Job auch ein wichtiges Thema. Leider gibt es aber auch Arbeitgeber, die die Kompetenzen ihrer Arbeitnehmer nicht richtig ausschöpfen oder Bewerber einstellen, die für eine bestimmte Tätigkeit überqualifiziert sind. Wer seine Fähigkeiten und Talente nicht im Job einbringen kann, wird auf Dauer mit dem Beschäftigungsverhältnis nicht glücklich werden.

Auch wenn es ein wenig verlockend klingt, für das Nichtstun Geld zu bekommen: Angestellte in so einer Situation sind nicht zu beneiden. Das ständige warten auf den Feierabend, ohne sich sinnvoll beschäftigen zu können, zehrt mehr an den Kräften als das tatsächliche Arbeiten. Man fühlt sich erschöpft und gelangweilt zugleich. Die ständige Unterforderung kann auf Dauer sogar psychisch krank machen, nämlich dann, wenn die Diagnose Boreout lautet. Erfahren Sie hier, was man darunter versteht, welche Symptome dafür sprechen und was man tun kann, um sich aus dem Boreout zu befreien!

Boreout Definition

Das Wort Boreout kommt aus dem Englischen und stammt vom Wort „bored“ also gelangweilt. Man versteht darunter das Gegenteil eines Burnouts. Drei wesentliche Komponenten bestimmen den Boreout: Die Unterforderung, das Desinteresse und die Langeweile. Es ist ganz wichtig, dass man dieses Phänomen nicht mit Faulheit verwechselt! Denn der betroffene Arbeitnehmer will Leistungen erbringen, bekommt allerdings von seinem Arbeitgeber nicht die Möglichkeit dazu. Und: Betroffene genießen ihre freie Zeit am Arbeitsplatz nicht, sondern würden viel lieber arbeiten und zeigen, was Sie können. Sie leiden also unter diesem Zustand. 

Boreout Symptome 

Erste Symptome eines Boreout-Syndroms sind Langeweile und auch Desinteresse an der eigenen Arbeit. Hält dieser Zustand der Unterforderung länger an, kommen Symptome hinzu, die ähnlich sind wie bei einem Burnout. Dazu zählen:

  • Antriebslosigkeit 
  • Infektionsanfälligkeit
  • depressive Verstimmungen 
  • Magenbeschwerden
  • Kopfschmerzen 
  • Tinnitus
  • Niedergeschlagenheit 
  • Müdigkeit 

Als Folge der genannten Symptome schließen die Betroffenen häufig innerlich mit dem eigenen Job ab. Anstatt aktiv gegen die Unterforderung im Job zu kämpfen, macht sich die Antriebslosigkeit breit und es fehlt einfach an der Kraft, aktiv gegen diese Situation anzukämpfen und zu versuchen, eine Veränderung im Job zu bewirken oder sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz zu machen. Dies führt wiederum zu einem Gefühl der Ohnmacht, weil man nichts gegen die Situation unternehmen kann, mit der man so unzufrieden ist. Sie sehen, ein Boreout-Syndrom ist in gleicherweise ernst zu nehmen wie auch sein Gegenspieler, der Burnout!

Ursachen für Boreout am Arbeitsplatz 

Nicht nur eine Überqualifizierung für den Job kann die Ursache für ein Boreout sein. Manchmal liegt die Schuld beim Arbeitgeber, welcher die Tätigkeitsbereiche nicht optimal verteilt oder einem Mitarbeiter einfach keine Verantwortung für bestimmte Aufgaben übertragen möchte. Die Organisation eines Unternehmens oder auch die subjektive Einschätzung eines Arbeitgebers können demnach dazu beitragen, dass ein Arbeitnehmer sich unterfordert fühlt. Eine weitere mögliche Ursache: Es ergeben sich Veränderungen im Betrieb, auf die der Arbeitgeber nicht richtig reagiert. Zum Beispiel: Es wird ein Auszubildender eingestellt, der viele Ihrer organisatorischen und leichteren Tätigkeiten von nun an übernimmt. Dadurch werden Ihnen einige Aufgaben genommen, im Gegenzug erhalten Sie aber keine weiteren, neuen Aufgaben.

Eine ganz andere, aber dennoch weit verbreitete Ursache für den Boreout ist die eigene Einstellung, aber auch die Einstellung in unserer Gesellschaft zur Arbeit und zu dem, was ein Individuum leisten muss. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der erwartet wird, dass Arbeitnehmer während der Arbeitszeit funktionieren und Leistung erbringen. Ist dies aus einer der genannten Gründe nicht möglich, verspürt man eine tiefe Unzufriedenheit und Leere. Es fehlt die Akzeptanz dafür, dass man nur ein Mensch ist, der nicht ununterbrochen funktionieren muss, und dass es ok ist, wenn man mal auf Arbeit für dreißig Minuten nichts zu tun hat. Doch jeglicher Leerlauf wird als stark negativ empfunden. Überdenkt man diesen inneren und häufig selbst auferlegten Leistungsdruck kann dies die Symptome des Boreouts unter Umständen bereits ein wenig lindern. 

Was tun bei Boreout? Hilfe für Betroffene 

Eine allgemeingültige Erfolgsformel gibt es leider nicht. Doch tatenlos zusehen, wie sich die Unterforderung und damit verbunden die Unzufriedenheit im Job immer mehr vergrößert ist auch keine Lösung. Aus diesem Grund finden Sie im Folgenden einige nützliche Tipps gegen den Boreout am Arbeitsplatz! Sollten Sie bereits körperliche Symptome erkennen, ist ein Besuch bei Ihrem Hausarzt empfehlenswert! Dieser kann Ihnen individuelle Beratungsangebote zusammenstellen!

1. Schritt: Prüfen Sie Ihre eigene Einstellung

Warum fühlen Sie sich unterfordert? Haben Ihre Kollegen mehr zu tun als Sie? Oder arbeiten die Anderen viel langsamer und sind aus diesem Grund auch immer beschäftigt? Gehen Sie den Ursachen für Ihre Unterforderung und Langeweile im Job auf den Grund! Liegen diese nämlich in einem selbst, kann man direkt damit beginnen, etwas zu unternehmen, um die Situation zu verbessern! Sind Sie ein Perfektionist? Setzen Sie sich (unbewusst) selbst unter Leistungsdruck? Wenn dem so ist, dann arbeiten Sie an Ihrer Einstellung und an Ihren Denkmustern. Finden Sie mehr Gelassenheit und Ruhe in Ihrem Berufsleben und befreien Sie sich von negativen Denkmustern.

2. Schritt: Bitten Sie um ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten

Wenn Sie im Job nur noch gelangweilt sind, Desinteresse verspüren und auch keine Motivation mehr aufbringen können, hilft nur noch ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Bitten Sie darum, dass Ihr Aufgabenfeld erweitert wird. Sprechen Sie offen darüber, dass Sie sich unterfordert fühlen und gerne neue Herausforderungen bewältigen möchten. Denn nur so können Sie sich als Arbeitnehmer weiterentwickeln! Bringen Sie auch schon ein paar Vorschläge mit ins Gespräch. Welche Tätigkeiten würden Sie gerne übernehmen? Mit welchen Maßnahmen könnte Ihr Vorgesetzter Sie zufrieden stellen? Bringen Sie ein paar Ideen mit ins Gespräch.

3. Schritt: Ändern Sie etwas!

Wie wäre es, wenn Sie eine Weiterbildung machen oder an Schulungen teilnehmen? Dies könnte dabei helfen, Ihren Tätigkeitsbereich zu erweitern. Vielleicht können Sie dadurch auch intern auf eine andere Stelle wechseln, wo Sie verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen könnten? Werden Sie aktiv und nehmen Sie Ihre Karriere selbst in die Hand! Tun Sie was nötig ist, um dem Boreout nicht die Überhand zu überlassen. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten darüber. Vielleicht kann dieser Ihnen empfehlen, mit welchen Qualifikationen Sie weitere Aufgaben übernehmen könnten oder unter welchen Umständen Sie für eine Beförderung in Frage kommen. Ein interner Positionswechsel könnte der Langeweile im Job den Garaus machen. 

4. Schritt: Wenn nichts hilft: Jobwechsel

Sie haben alles versucht, um Ihre Situation zu verbessern aber nichts hat geholfen? In diesem Fall bleiben eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie akzeptieren die Situation und versuchen, damit zu leben – oder: Sie suchen Sich einen neuen Job. Wobei letzteres mehr zu empfehlen wäre. Denn bedenken Sie, dass Sie sich auf Dauer nicht nur sehr unglücklich, sondern auch krank machen können! Bevor die psychische Belastung zu groß wird, sollten Sie Ihrer Gesundheit zuliebe die Reißleine ziehen und einen Arbeitsplatzwechsel in Angriff nehmen!