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Big Data: Wenn Firmen Bewerber-Daten im Netz analysieren

Big Data: Wenn Firmen Bewerber-Daten im Netz analysieren
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Jana Fast am 23.06.2016

Deckblatt inklusive Bewerbungsfoto, Lebenslauf, Anschreiben und Arbeitszeugnisse. So oder so ähnlich sehen bei den meisten Jobsuchenden die Bewerbungsunterlagen aus. Sie denken, damit hat ihr nächster potenzieller Arbeitgeber alle Daten beisammen, die er für eine Entscheidung über Ihre mögliche Einstellung braucht? Weit gefehlt. Denn diese Unterlagen stellen nur das sogenannte A-Profil des Bewerbers dar. Immer mehr Unternehmen haben aber auch großes Interesse an Ihrem B-Profil. Und dieses ermitteln Sie, wie sollte es auch anders sein, anhand einer „Spurensuche“ im Internet und der Auswertung jeglicher weitere Daten, die man im Laufe des Bewerbungsprozess so über Sie gesammelt hat. Unternehmen nutzen bei der Auswahl von Bewerbern ganz neue Datenquellen. Welche das sind, erfahren Sie im Folgenden.

Spuren im Netz – Welche Daten von Bewerbern dürfen ausgewertet werden?

Dürfen Personaler nach Bewerbern im Internet suchen? Viele Bewerber zweifeln dies an und verlassen sich blind auf Gesetze zum Datenschutz oder zu Arbeitnehmerrechten. Was viele nicht wissen: Ja, Arbeitgeber dürfen sich Informationen über Bewerber im Internet raussuchen, wenn diese Daten für die Entscheidung über eine Einstellung wichtig sind. Es ist zum Beispiel vollkommen legitim, dass Personalverantwortliche anhand von Informationen im Internet überprüfen, ob die Angaben auf Ihrem Lebenslauf der Wahrheit entsprechen. Hat ein Bewerber auf einem Profil in einem Business-Netzwerk wie XING andere Angaben zu seiner Vita hinterlegt, so lässt dass den Arbeitgeber natürlich daran zweifeln, ob der abgegebene Lebenslauf wirklich wahrheitsgetreu formuliert worden ist. Schon hat sich der Kandidat ins Aus geschossen und seine Chance auf einen neuen Job verspielt.

Nicht nur die Angaben im Lebenslauf können kontrolliert werden, sondern auch willkürliche Meinungsäußerungen in diversen Foren. Alles, was Internet-Suchmaschinen wie Google bei der Eingabe Ihres Namens ausspucken dürfen sich Personaler anschauen. Also eben auch Forenbeiträge. Hitzige politische Debatten katapultieren Sie womöglich nicht ins Aus, dafür aber politisch unkorrekte Äußerungen, Diskriminierungen oder auch Lästereien über Ihren ehemaligen oder aktuellen Arbeitgeber. Solche Spuren im Netz werfen kein gutes Bild auf Sie und zeugen auch nicht unbedingt von Professionalität. Private Profile auf sozialen Netzwerken wie Facebook sind ebenfalls immer im Visier der Recruiter. Halten Sie daher Abstand vor allzu privaten Angaben und der Veröffentlichung sehr privater Fotos. Auch wenn die letzte Weihnachtsfeier sehr lustig war, Schnappschüsse die unter dem Einfluss von Alkohol gemacht worden sind sollten Sie lieber nicht ins Internet stellen.

Big Data: Die neue Bewerber-Analyse

Die Namen von potenziellen Kandidaten zu googlen und Profile auf sozialen Netzwerken zu analysieren reicht in unserem fortgeschrittenen Zeitalter längst nicht mehr aus. Der neuster Trend bei der Personalsuche: Big Data. Ganz neue Datenquellen werden zur „Bewerber-Analyse“ herangezogen. Zum Beispiel Bewegungsprofile im Internet. Oder auch im echten Leben. Mobilfunkanbieter zum Beispiel können anhand der GPS-Einstellugen im Handy jede Menge Standortdaten ermitteln. Ein Unternehmen kann diese Daten kaufen und auswerten lassen. Auch möglich: sich alle Tweets eines Bewerbers anzeigen zu lassen. Besonders beliebt derzeit: Auswertungen über das Ausfüllen einer Online-Bewerbung. Hat der Kandidat sich Zeit genommen und alle Felder in einer Sitzung ausgefüllt? Oder wurde das Bewerbungsformular immer wieder geschlossen und über mehrere Tage ausgefüllt? Solche Auswertungen lassen zum Beispiel Rückschlüsse zu, wie leistungsfähig oder konzentriert ein Bewerber ist.

Wie funktioniert die neue Bewerber-Analyse?

Ausgewertet werden nicht nur neue Bewerber, sondern auch bereits angestellte Arbeitnehmer in einem Unternehmen. Die Ergebnisse der Auswertung bereits angestellter Mitarbeiter werden auf die Bewerber übertragen. Zuerst sucht man nach ganz bestimmten Strukturen, die immer wiederkehren. Ein möglicher Fall: Man möchte herausfinden, warum Arbeitnehmer sich dazu entschließen, den Job zu wechseln. Riesige Datenquellen werden herangezogen und könnten ergeben: Die meisten Arbeitnehmer, die in den letzten Jahren gekündigt haben, waren Pendler. Vermutlich haben Sie also nach einem Job in Wohnohrt-Nähe Ausschau gehalten. Wie man dieses Ergebnis auf die Auswahl eines Bewerbers übertragen kann? Naja, man möchte Mitarbeiter langfristig behalten, aus diesem Grund können schon mal diejenigen Kandidaten aussortiert werden, die einen langen Arbeitsweg gehabt hätten...

Alles, was in irgendeiner Form gemessen und ausgewertet werden kann, wird für die Bewerber-Analyse genutzt. Selbst Mimik, Sprache und Gestik eines Bewerbers. So wird ein Vorstellungsgespräch über Skype schnell zu einer hoch wissenschaftlichen Angelegenheit, die mit viel Präzision ausgewertet wird um daraus nach psychologischen Grundpfeilern Schlüsse über den Bewerber ziehen zu können. Klingt sehr kosten- und zeitintensiv, und das ist es auch. Daher nutzen zur Zeit überwiegend große Unternehmen die neuen Möglichkeiten des Kandidaten-Checks. Wer sich also in einem kleinen Familienbetrieb bewirbt, braucht solche Praktiken noch nicht zu fürchten. Bis jetzt. Wer weiß, wohin das digitale Zeitalter uns noch führen wird? Damit Sie nicht zum gläsernen Bewerber werden, zu guter Letzt noch einige Tipps, wie Sie so eine professionelle Analyse Ihres B-Profils unbeschadet überstehen:

Checkliste: Schützen Sie Ihre Daten im Internet

  • Ändern Sie Ihre „Privatsphäre-Einstellungen“, sodass nur registrierte User oder Freunde auf Ihr Profil zugreifen können
  • Benutzen Sie bei Kommentaren in Foren nicht Ihren vollen Namen und verwenden Sie eine alternative, rein private E-Mail-Adresse
  • Laden Sie keine Bilder online, die Ihr zukünftiger Arbeitgeber nicht sehen sollte
  • Überlegen Sie sich vor jedem Post, ob dieser einem potenziellen Arbeitgeber negativ auffallen könnte
  • Teilen Sie Freunden und Bekannten mit, keine Fotos von Ihnen ins Internet zu stellen
  • Überprüfen Sie Ihren Internetauftritt regelmäßig, in dem Sie Ihren eigenen Namen in eine Suchmaschine eingeben