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Arbeitsrecht: Wann haften Arbeitnehmer für Fehler am Arbeitsplatz?

Arbeitsrecht: Wann haften Arbeitnehmer für Fehler am Arbeitsplatz?
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Jana Fast am 23.06.2016

Im Privatleben gilt: Wer einen Schaden verursacht, muss dafür auch geradestehen. Aber wie sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer einen Schaden im Unternehmen verursacht? Wer eine Produktionsmaschine falsch einstellt und aus diesem Grund einen Materialschaden von mehreren zehntausend Euro verursacht? Trägt der Arbeitgeber diese Kosten? Oder haftet in so einem Fall etwa der Mitarbeiter ganz alleine? Hier erfahren Sie, wann Mitarbeiter für Fehler haften, welche Kriterien für eine beschränkte Arbeitnehmerhaftung berücksichtigt werden, und welche Gesetze aus dem Arbeitsrecht Sie im Falle eines Falles kennen sollten.

Wann haften Arbeitnehmer für Schäden am Arbeitsplatz?

Da wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler. Damit ein Arbeitnehmer in so einem Fall nicht plötzlich vor dem finanziellen Ruin steht, gibt es was die Arbeitnehmerhaftung angeht kein „ganz oder gar nicht“. Viele unterschiedliche Kriterien entscheiden darüber, ob und in welchem Umfang ein Arbeitnehmer für einen begangenen Fehler haftet. Oder eben auch nicht. Hier eine kleine Orientierungshilfe:

  • Bei leichter Fahrlässigkeit: Der Arbeitnehmer haftet nicht
  • Bei mittlerer Fahrlässigkeit: Der Arbeitnehmer kann zum Teil haften
  • Bei grober Fahrlässigkeit: Der Arbeitnehmer haftet uneingeschränkt
  • Bei vorsätzlicher Fahrlässigkeit: Der Arbeitnehmer haftet uneingeschränkt

Eine leichte Fahrlässigkeit ist schnell passiert, weshalb Mitarbeiter hierfür für gewöhnlich nicht haften. Hier zwei Beispiele aus der Praxis: Ein Konditor rutscht in der frisch gewischten Backstube aus und wirft dabei eine teure Hochzeitstorte um. Oder ein Kaufmann stößt aus versehen die heiße Tasse Kaffe über der Tastatur aus, die nun ersetzt werden muss. Dies alles sind Schäden, mit denen jeder Arbeitgeber rechnen muss. Wenn einem Arbeitgeber dabei keine Absicht unterstellt werden kann, haftet dieser für solche leichten Fahrlässigkeiten in der Regel nicht.

An den Kosten für einen Schaden, der aufgrund einer mittleren Fahrlässigkeit entstanden ist, kann der Arbeitnehmer beteiligt werden. Ein Beispiel für eine mittlere Fahrlässigkeit: Während Sie eine Maschine bedienen sprechen Sie mit einem Kollegen über den letzten Urlaub. Sie sind so in das Gespräch vertieft, dass Sie teuren Ausschuss produzieren, weil beispielsweise alle Platten schief eingelegt worden sind. Sie waren schlichtweg nicht ganz bei der Sache und haben sich ablenken lassen.

Eine grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn Sie genau wissen, dass sie etwas falsch machen. Hier ein Beispiel: Sie müssen Ware transportieren, haben diese aber nicht richtig gesichert, weil Sie es sehr eilig hatten und schnell beim Kunden sein wollten. Während der Fahrt fällt die nicht ordnungsgemäß gesicherte Ladung im Laderaum um und geht kaputt. Hier haben Sie grob fahrlässig gehandelt, denn Sie haben Ihren Job nicht nach Vorschrift erledigt. Vermutlich werden Sie sich deshalb auch am entstandenen Schaden beteiligen müssen, oder diesen sogar ganz übernehmen.

Beschränkte Arbeitnehmerhaftung: Gesetzliche Regelungen

Nicht nur der Grad der Fahrlässigkeit bestimmt, in welchem Umfang ein Arbeitnehmer für entstandene Schäden am Arbeitsplatz haftet, sondern auch die sogenannte „Gefahrgeneigtheit der Tätigkeit“. Es gibt Berufe, bei deren Ausübung immer wieder mit höheren Schäden gerechnet werden muss. In anderen dagegen kommt es so gut wie nie dazu, dass ein Arbeitnehmer für eine Fahrlässigkeit haftet. Ein Metallbauer oder Produktionshelfer kann nunmal sehr schnell einen beträchtlichen Schaden anrichten. Ein Fremdsprachensekretär oder ein Werbekaufmann dagegen eher weniger. Wie viel Risiko also in der Ausübung der Tätigkeit steckt, wird ebenfalls berücksichtigt. Je höher das Risiko, desto geringer ist normalerweise der Anteil der Arbeitnehmerhaftung.

Kriterien wie das Einkommen des Arbeitnehmers, ob dieser bereits in der Vergangenheit Schäden angerichtet hat, die Position im Betrieb und natürlich auch die Höhe des Schadens spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, in welchem Umfang der Arbeitnehmer haftet. Heißt im Klartext: Ein Praktikant, der erst seit einer Woche im Unternehmen angestellt ist, monatlich 400 Euro verdient und einen Schaden in Höhe von 100 Euro anrichtet, wird vermutlich nicht selbst dafür haften. Ein Vorstandsmitglied, dass monatlich 4000 Euro verdient, bereits einige Fehler gemacht hat und einen Schaden von 10000 Euro verursacht hat, kann sich darauf einstellen, zumindest zu einem gewissen Teil selbst zu Haften.

Keine Arbeitnehmerhaftung, wenn der Arbeitgeber Mitschuld trägt

In manchen fällen ist ein durch einen Arbeitnehmer entstandener Schaden auf die Schuld des Arbeitgebers zurückzuführen. Zum Beispiel dann, wenn dem Arbeitnehmer Aufgaben zugewiesen worden sind, für die dieser nicht ausreichend genug qualifiziert war. Oder auch dann, wenn zu wenige Mitarbeiter in eine Schicht eingeteilt werden, so dass die Voraussetzungen für ein fehlerfreies und ordnungsgemäßes Arbeiten von Anfang an fehlten. Dann handelt es sich nämlich um ein sogenanntes Organisationsverschulden der Firma. In so einem Fall haftet der Arbeitnehmer nicht.